Auswahllisten zum Deutschen Kindertheaterpreis und Deutschen Jugendtheaterpreis: Teil 2

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Foto: Raphael Hadad

Heute setzt die Jurorin Petra Fischer, freie Dramaturgin, Kuratorin und Theaterpädagogin aus Zürich (Schweiz), die gestern begonnene Vorstellung von Stücken aus den Auswahllisten zum Deutschen Kindertheaterpreis 2020 und zum Deutschen Jugendtheaterpreis 2020 fort und schreibt hier zu vier weiteren Texten von Jens Raschke, Charlotte Luise Fechner, Ahlam und Maria Milisavljevic.


Kommt eine Wolke (8+)
von Jens Raschke (Deutschland)
Theaterstückverlag Korn-Wimmer, München

Im Haus am Meer wohnen zwei Männer und eine Frau. Geheimnisumwoben verläuft ihr ritualisierter Alltag. Sie leben anders miteinander als die Anderen. Das macht den Anderen Angst. Ihre Nähe, Vertrautheit und Gemeinsamkeit bleiben verborgen, aber auch die Einsamkeit von Stine. Einzig ihre um den Verlust von Fiete und Gonne kreisenden Gedanken erhalten ihre Freunde aus Kindheitstagen am Leben. So versucht sie deren Tod und das jähe Ende ihrer gemeinsamen Kindheit zu verdrängen. Sie fühlt sich schuldig und kann nur weiterleben, indem sie ihr Leben mit den Freunden teilt.

Wie lebt man mit den unumkehrbaren Konsequenzen des eigenen Handelns? Eine alte Husumer Sage wird in dem Stück zu einer neuen Geschichte über große Themen für die ganze Familie und mit großen Aufgaben für Schauspieler*innen.

Heldenzentrale (11+)
von Charlotte Luise Fechner (Deutschland)
Hartmann & Stauffacher Verlag, Köln

Wortspiele und Geräusche entführen uns: plötzlich fahren wir in einem Bus mit. Sprache und Laute bauen Straßen und Gegenden. Wir bangen mit Galip, ob er den Bus noch kriegt. Wir sind mit Olivia genervt von den Kontrollanrufen ihrer Mutter. Wir helfen dem Busfahrer bei der Reparatur. Und während wir fahren, öffnet sich uns die Gedankenwelt der Jugendlichen und des Fahrers. Alle Drei sind getrieben von Erwartungen und Ansprüchen anderer. Die wissenden Kinder schaffen es, anzuhalten und auszusteigen. Ein leerstehender LKW wird zu ihrem Freiraum, wo sie andere Erfahrungen machen als jene, die ihnen Erwachsene zuweisen. Die tägliche Busfahrt zur Schule wird zu einem Road-Movie in die Gefühlswelt von Heranwachsenden.

Nicht ohne dich (16+)
von Ahlam (Ägypten)
Deutsch von Ulrike Syha
Rowohlt Theater Verlag, Hamburg

Sechs Figuren brechen auf ins Leben, das sie zu ihrem Leben machen wollen. Aber sie sind Teil der Welt, in der sie leben: Kairo. Der Arabische Frühling ist die Folie, vor der die jungen Menschen um Selbstbestimmung ringen, sich gegen Angepasstheit wehren, Unsicherheit und Ungewissheit in Kauf nehmen, um ihre Lebensträume zu leben. Politik drängt sich zwischen Liebende. Der Bruch mit dem Verbotenen ist mehr als nur Abenteuer. Die Rebellion setzt zwar beflügelnde Kräfte frei und schützt doch nicht vor existenziellen Konsequenzen. Werte, Körperbilder, Tabus kommen auf den Prüfstand inmitten von geltendem Recht und Regeln. Das Kaleidoskop einer Stadt aus einer fremden Welt, die so fremd nicht ist.

„Ahlam“ ist arabisch und bedeutet „Träume“. Es ist das Pseudonym einer jungen ägyptischen Autorin, deren Identität aufgrund der politischen Situation in Ägypten nicht bekannt gegeben wird.

Geschichten aus dem Bauwagen (11+)
von Maria Milisavljevic (Deutschland)
S. Fischer Verlag Theater & Medien, Frankfurt am Main

Ein Bauwagen ist Wohn-, Überlebens- und Sehnsuchtsort, ein Schutzraum für die Gestrandeten. Sie, die sich nicht einfügen wollen in das, was für sie vorgesehen ist, nehmen ihr Leben selbst in die Hand. Sie schaffen sich eine Auszeit, halten inne, um das zu verstehen, was sie erlebt haben. Um mit dem umgehen zu lernen, was sie erlebt haben. Um Alternativen zu entwickeln zu dem, was sie erlebt haben: schreiende Erwachsende, eine dich verratende Freundin, streitende Eltern, einen abgelenkten Vater. Sie fühlen sich verloren oder vergessen. Sie nehmen sich wahr. Sie haben Angst. Sie hören einander zu. Sie haben Sehnsucht. Sie geben sich Halt. Sie wollen sich nicht abfinden und sind auf der Suche. Dieser Bauwagen kann überall stehen. Oder ist er ein Zufluchtsort im Kopf? – „Und dann geh ich heim.“


Die Auswahllisten stehen hier zum Download bereit.

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