BIM BAM, FRATZ und KUCKUCK

von Gerd Taube


BIM BAM, FRATZ und KUCKUCK, so heißen Theaterfestivals für das jüngste Publikum in Salzburg, Berlin und München. Während man in der bayerischen Landeshauptstadt nur noch wenige Tage warten muss, bis das Festival (20.-27. März 2019) eröffnet wird, müssen die jüngsten Berliner*innen sich noch länger (3.-8. Mai 2019) gedulden. In der österreichischen Festspielstadt Salzburg hat das 7. Internationale Theaterfestival für Klein(st)kinder BIM BAM (9.-31. März 2019) bereits am letzten Wochenende begonnen.

 

Initiator und Veranstalter des Festivals ist das Toihaus Theater, das als Pionier und Zentrum des zeitgenössischen Theaters für die jüngsten Zuschauer*innen in Österreich gelten darf. Und auch im europäischen Kontext gehört das freie Theater aus Salzburg zur künstlerischen Avantgarde in dieser Theaterform.
Es sind vor allem Inszenierungen wie „Immer“ oder „On Air“, in denen der besondere Stil von Toihaus-Gründerin und Regisseurin Myrto Dimitriadou sichtbar wird. Auf einzigartige Weise verbindet sie in ihren Inszenierungen tänzerische Bewegung mit der Performativität des Musizierens und Singens. Das Publikum erlebt, wie die Klänge durch die körperliche Aktion der Musiker*innen entstehen. An manchen Stellen ist die Atmosphäre dieser Inszenierungen eigenartig schwebend, ab und zu wird es verbal und tief philosophisch und oftmals übertragen sich Lust und Spaß der Performer*innen auf das Publikum. Eine besondere Rolle im Ensemble der Künste spielen die Objekte. In „On Air“ sind es Radios aus verschiedenen historischen Epochen. Wuchtige Röhrenradios, handlichere Kofferradios und, in der Retro-Kulisse fast spacig wirkend, kleine Weltempfänger mit herausziehbarer Antenne. Es sind Objekte, mit denen auf der Bühne getanzt, musiziert und gespielt wird, denen man ihr Leben ansieht und die alle auch noch eine Geschichte erzählen könnten.
Die künstlerische Leiterin des BIM BAM Festivals, Katharina Schrott, hatte mich eingeladen, im Rahmen des Festivals mit Studierenden des Orff Instituts eine Aufführung der Inszenierung „On Air“ vom Toihaus Theater zu sehen und anschließend einen Workshop zur Reflexion und Analyse der Aufführung durchzuführen. Die Studierenden aus verschiedenen Semestern und mit unterschiedlichen Ausbildungsschwerpunkten zeigten sich überaus interessiert an dieser Form des Theaters für das jüngste Publikum. Verbindungslinien zu ihrem Studium gibt es sowohl auf ästhetischer Ebene als auch in Bezug auf das junge Publikum, denn am Orff-Institut des Salzburger Mozarteums wird elementare Musik- und Tanzpädagogik gelehrt, Inklusion bildet einen Schwerpunkt und die Studierenden werden für die pädagogisch-künstlerische Arbeit mit Kindern ausgebildet.
Ich habe mich über das Interesse des Institutsdirektors Univ. Prof. Helge Musial gefreut, den Studierenden an seinem Institut einen Einblick in die darstellende Kunst für das jüngste Publikum zu ermöglichen. In gewisser Hinsicht ist diese Kunst auch eine ausgesprochen inklusive Kunst, sie ist gemacht für die Kinder und ihre erwachsenen Begleiter*innen gleichermaßen und mit Festivals, wie dem BIM BAM Festival in Salzburg wird öffentlich sichtbar, dass auch Kinder unter 5 Jahren ein Recht auf Teilhabe an Kunst und Kultur haben.
In zwei Jahren gibt es dann hoffentlich das achte BIM BAM Festival, doch das Toihaus Theater zeigt auch in der Zwischenzeit seine Inszenierungen für das jüngste Publikum. Vielfache Gelegenheit also für Musials Studierende, die ersten Eindrücke durch weitere Vorstellungsbesuche zu vertiefen. Vielleicht sogar als Blockseminar zum Theater für das jüngste Publikum, in dem im Toihaus Theater auf bemerkenswerte Weise Tanz und Musik für kleine Kinder verbunden werden.

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