Zuschauhören und hörzuschauen. Schlaglichter auf das Treffen der AG Musiktheater für junges Publikum in Magdeburg

von Annett Israel


Ein Orchester, das Musizieren als sicht- und erlebbaren Herstellungsvorgang in die Aufführung einbringt. Ein hinreißender Dialog zwischen einer Violine und einem Cello. Spannende Klangpassagen, ausgetragen von gleich drei Perkussionist*innen an zum Teil von mir selten gehörten Klang- und Schlagwerken. Die wahre Geschichte von King Kong von Jeffrey Ching – eine Kammeroper, mit Puppen und aufregend singenden Menschen, deren Rollen durch Puppen spielende Menschen und Menschen spielende Menschen auf der Bühne und im Film zur Darstellung gelangten. Mehrebnig ineinander verschraubt-verschachtelte, überbordende Bildwelten, die aus der kleinen Bühne des Magdeburger Schauspielhauses herauszuplatzen scheinen. Das erlebten diejenigen, die nach Magdeburg zur AG Musiktheater der ASSITEJ gekommen waren, am Abend des 29. März.IMG-20190330-WA0005

Am nächsten Morgen, diesmal im Foyer der Oper, war das eigene Interesse am Musiktheater für junges Publikum der Ausgangspunkt für die Diskussion: Neue Sprachen im Musiktheater auch für die Allerjüngsten, intermediales Arbeiten,  Arbeits- und Kooperationsformen, die Unterschiede zum Musiktheater für Abendpublikum kamen da ebenso zur Sprache wie die Frage, was wir meinen, wenn wir von Musiktheater oder von Junger Oper sprechen – warum braucht es eine solche Abgrenzung gegenüber den anderen darstellenden Künsten und woran macht sie sich fest?

Interessant an der Begegnung mit dem Produktionsteam von King Kong waren nicht zuletzt insbesondere solche Fragen, die sich bei Formen der Zusammenarbeit ergaben: so unterschiedliche Ensembles wie jenes der Oper mit dem Orchester – oder Sänger*innen, die durchweg Gäste waren mit dem Puppentheater Magdeburg: ein Puppenspieler beschrieb zum Beispiel, das ihm in dieser Produktion zunächst all seine puppenspielerischen Mittel genommen waren, weil Musik, Sänger*innen, Film ja bereits miterzählten.

Danach wurde in einzelnen Arbeitsgruppen diskutiert: über das Hören im Musiktheater und seine Grenzüberschreitungen, Vermittlungen und Impulse, die aus der Partizipation erwachsen, über Musiktheater in Kooperationen und intermediale Produktionsweisen. Wir sind gespannt auf weiteren Austausch und unsere eigenen Formen der Zusammenarbeit.


Die Treffen der AG Musiktheater beschäftigen sich mit verschiedenen zentralen Themengebieten insbesondere des zeitgenössischen Musiktheaters für Kinder und Jugendliche. Repertoireentwicklung und Vermittlungsästhetik spielen ebenso eine Rolle wie die Reflexion von Produktionsstrukturen und die Frage nach Vernetzung in diesem noch jungen Genre. Rund 100 interessierte Teilnehmer*innen aus Opernhäusern, freien Kinder- und Jugendtheatern, Stadt- und Staatstheatern, Vertreter*innen von Verlagen, Autor*innen, Regisseur*innen usw. engagieren sich in der AG. Die Treffen stellen neben einem Thema immer auch eine Produktion des gastgebenden Theaters in den Mittelpunkt und zur Diskussion.

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