Internationales Regieseminar für Kinder- und Jugendtheater am theater wrede+ in Oldenburg

Vom 12. bis 18. Juni 2017 ist das theater wrede+ Gastgeber des internationalen Regieseminars für Kinder- und Jugendtheater, das die ASSITEJ Deutschland seit 1976 durchführt.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind in diesem Jahr: Mohammed Aghebati (Iran), Chipo Precious Basopo (Zimbabwe), Hannah Biedermann (Germany), Inda Buschmann (Germany), Nguyet Hang Cao (Vietnam), Edouard Guillaume Eko Efoulou (Cameroon), Olivia Furber (UK), Sudarshana Galbokke Ralalage (Sri Lanka), Micaela Gramajo (Mexico), Timira Gupta (India), Dmytro Gusakov (Ukraine), Lynda Hill (Canada), Daniela Krabbe (Germany), Lovro Krsnik (Croatia), Rogério Paulino Manjate (Mozambique), Manuel Moser (Germany), Aamir Nawaz (Pakistan), Anđelka Nikolić (Serbia), Layla Raña Kanacri (Chile), Sebastian Ryser (Switzerland), Kedar Shreshta (Nepal), Sibusiso Khambule (South Africa), Yael Tilman (Israel), Brigitte Walk (Liechtenstein), Jessica Wilson (Australia),  Jānis Znotiņš (Latvia) sowie Gudrun H. Lelek (theater wrede+), Urfels, Mareike (theater wrede+) und Winfried Wrede (theater wrede+) und für die ASSITEJ Deutschland Cathrin Blöss, Jutta M. Staerk (Vorstand) und Meike Fechner.OLYMPUS DIGITAL CAMERA

 

Christel Hoffmann erhält für ihr Lebenswerk den „Applause for Lifetime Achievement Award“ der ASSITEJ

Die Berliner Dramaturgin und Theaterlehrerin Prof. Dr. Christel Hoffmann (*1936) wurde am 26. Mai 2017 mit dem Applause for Lifetime Achievement Award der Internationalen Vereinigung des Theaters für Kinder und Jugendliche (ASSITEJ) geehrt. Der Preis wurde in diesem Jahr erstmals vergeben und ehrt diejenigen, die ihr Leben dem Kinder- und Jugendtheater gewidmet haben.

Weitere Preisträger sind Razi Amitai, langjähriger Leiter des Orna Porat Theaters in Tel Aviv, sowie Carlos Herans, Gründer der ASSITEJ Spanien und Wegbegleiter des Theaters für Kinder von 0 bis 4 Jahren.

Jury-Vorsitzende und ASSITEJ Präsidentin Yvette Hardie (Südafrika), hob in ihrer Laudatio hervor: „Christel’s unique contribution to dialogue in TYA is a life dedicated to crossing borders between dramaturgy, directorship and theater pedagogy. This becomes visible all over the world in countless workshops, articles, books and talks as a basis for a shared discourse on high quality in theater arts for children, with children and by children.“

Christel Hoffmann Wolfgang Schneider Razi Amitai

Christel Hoffmann, Wolfgang Schneider, Razi Amitai (Foto: ASSITEJ)

 

Christel Hoffmann war als Chefdramaturgin am Theater der Freundschaft heute Theater an der Parkaue / Junges Staatstheater Berlin und später als Mitarbeiterin des Kinder- und Jugendtheaterzentrums in der Bundesrepublik Deutschland tätig und ist bis heute als Autorin und Dozentin eine einflussreiche Stimme in der Kinder- und Jugendtheaterlandschaft. Sie ist Initiatorin des Internationalen Regieseminars für Kinder- und Jugendtheater, das seit 1986 von der ASSITEJ Deutschland durchgeführt wird. Unzählige Workshops zur Arbeit Brechts und seiner Bedeutung für junges Publikum haben im In- und Ausland stattgefunden. Christel Hoffmann ist bekannt für ihre pointierten Fragestellungen, die große Anerkennung professioneller Theaterkunst und den Imperativ der Partizipation von Kindern und Jugendlichen.

Christel Hoffmann nahm den Preis persönlich entgegen und erhielt ein Bild, in dem Kinder aus einem Township zentrale Etappen ihres Lebenswerks festgehalten hatten. In einer bewegenden Dankesrede sagte sie, dies sei einer der großen Momente ihres Lebens. Programmatisch stellte sie fest:  „Das Theater ist der ideale Ort, der Freiraum, der Ort der Freiheit gegen Zwänge, denen wir ausgesetzt sind und die und zwingen zu funktionieren. Im Spiel kann jeder Mensch ohne Ängste entdecken, welche Potentiale in ihm stecken, denn er erlebt es in der Gemeinschaft und das mit Lust.“

Wolfgang Schneider, ASSITEJ Vorsitzender und Ehrenpräsident der internationalen Vereinigung des Theaters für Kinder und Jugendliche, gratulierte allen Preisträgern und unterstrich ihre Bedeutung für die Entwicklung eines weltweiten Netzwerkes der Darstellenden Künste für junges Publikum.

Die Verleihung der Preise fand im Rahmen des Weltkongresses der ASSITEJ im südafrikanischen Kapstadt statt. http://www.assitej2017.org.za

 

 

„Making Mandela“ und andere Ausflüge

drama for lifeDas Wochenende haben die Organisatoren des Weltkongresses in Kooperation mit „Drama for life“ (Das Logo ähnelt dem Augenfüßler von Augenblick mal!) genutzt, um Ausflüge in verschiedene Townships zu machen: Professionelle Produktionen wie „Making Mandela“, „Obisike“ und „Our House“ wurden dort ebenso gezeigt wie die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen vor Ort. Die Geschichte Südafrikas und sein Alltag werden so sichtbarer als auf den Wegen durch Downtown.

Im District Six Homecoming Center wurden Bücher und unser englischsprachiges IXYPSILONZETT präsentiert – rundherum die Erinnerungen, Geschichten, Fotos und Rezepte der ehemaligen Bewohner, die vor 50 Jahren aus diesem Stadtteil vertrieben worden waren.

Dialogue – The Community Performance Network“ ist überall dabei, macht Fotos, befragt und schreibt, um alle Aktivitäten umfassend zu präsentieren. Das passt zur heutigen Präsentation der ASSITEJ International Archives, die seit 1990 in Frankfurt gepflegt werden.

IXYPSILONZETT ist auf Deutsch und Englisch online: http://www.jugendtheater.net.

ASSITEJ Weltkongress in Kapstadt eröffnet

Eröffnung17052017klein.JPG

Die Eröffnung des 19. Weltkongresses der ASSITEJ, der erstmals auf dem afrikanischen Kontinent stattfindet, was bunt und bewegend. Das Kinder- und Jugendtheater hier und weltweit ist weiblich: Die Gäste aus aller Welt wurden von Yvette Hardie (Präsidentin der ASSITEJ International und der ASSITEJ Süfafrika), Marisa Gimenez Cacho (Generalsekretärin aus Mexico) und verschiedenen politischen Repräsentantinnen begrüßt. Die eingeladenen Produktionen aus Südafrika zeigten Ausschnitte ihrer Arbeiten und die Moderatorin wechselte nicht nur Kleider und Schuhe, sondern nutzte auch ein Smartphone statt Moderationskarten. Empowerment spielt hier eine große Rolle, die Vielfalt Afrikas ebenso. Erst vor zehn Jahren wurde die ASSITEJ in Südafrika gegründet und hat – passend zu ihrem Slogan „Changing the world one child at a time“ schon jetzt sehr viel erreicht.

Twitter, Instagram und Facebook werden aktiv genutzt: #cradleofcreativity

ASSITEJ Preise 2017

Ehrung für engagierte Künstler*innen des Kinder- und Jugendtheaters

Am 27. April 2017 wurden im GRIPS Theater am Hansaplatz die ASSITEJ Preise für besondere Verdienste um das Theater für junges Publikum und die ASSITEJ Veranstalterpreise für engagierte Gastspielorganisator*innen verliehen.In zwei Preiskategorien wurden je drei Personen oder Institutionen geehrt.

Mit dem ASSITEJ Preis für besondere Verdienste um das Kinder- und Jugendtheater werden geehrt:

–          Rudolf Herfurtner (München) für sein Werk als Autor unterschiedlichster Genres in den Dramatischen Künsten für junges Publikum

–          Andrea Gronemeyer (Nationaltheater Mannheim) für ihre Impulse zum zeitgenössischen Musiktheater für Kinder und Jugendliche

–          Theaterwerkstatt Pilkentafel (Flensburg) für ihre langjährige Theaterarbeit sowie für ihr zukunftsweisendes Konzept, das einen etablierten Kulturort für neue Künstlergenerationen öffnet und ihn grenzüberschreitend definiert. Elisabedeth Bohde, Thorsten Schütte, Analea Dörre und Manuel Melzer nahmen den Preis entgegen.

Mit dem ASSITEJ Veranstalterpreis für hervorragende Gastfreundschaft und Gastspielorganisation eines qualitätsvollen Theaterprogramms für junges Publikum werden geehrt:

–          Die Ernsting Stiftung / Alter Hof Herding als Träger des konzert theater coesfeld, vertreten durch Dr. Ulrike Hoppe-Oehl und Bettina Maurer, verantwortlich für das Kindertheaterprogramm

–          Wolfgang Barth von den Bürgerhäusern Dreieich

–          Katja Spieß vom FITZ Zentrum für Figurentheater in Stuttgart

Wolfgang Schneider, Vorsitzender der ASSITEJ e.V., hob hervor, wie wichtig in einer sich wandelnden Theater- und Kulturlandschaft persönliches Engagement ist. Die Preisträger stehen für ihre Ideen und Ideale ein. Sie bringen Förderern und politischen Entscheidern Theaterkunst als kulturelle Bildung näher und schaffen Gestaltungsspielräume in Kultur und Gesellschaft. Er sagte „Die ASSITEJ nutzt die Öffentlichkeit des Festivals „Augenblick mal!“, um die visionäre Kraft der darstellenden Künste sichtbar zu machen. Es geht um die gesellschaftliche Herausforderung, Zugänge zu Kultur für alle Kinder und Jugendlichen zu schaffen.

Wolfgang Schneider begrüßte gemeinsam mit Philipp Harpain, Leiter des GRIPS Theaters, rund 300 Gäste, die zu Ehren der diesjährigen ASSITEJ Preisträger*innen nach Berlin gekommen waren. In der Jury zum ASSITEJ Preis und zum ASSITEJ Veranstalterpreis sind Brigitte Dethier (Junges Ensemble Stuttgart), Prof. Dr. Wolfgang Schneider und Prof. Dr. Gerd Taube (Kinder- und Jugendtheaterzentrum in der Bundesrepublik Deutschland) vertreten. Vorschläge für die Preise, die seit 1991 alle zwei Jahre beim Festival „Augenblick mal!“ verliehen werden, machen die rund 400 Mitglieder der ASSITEJ .

Gastgeberin des Abends war Vorstandsmitglied Julia Dina Heße, Leiterin des Jungen Theaters Münster. Im Anschluss an die Verleihung lud der Vorstand der ASSITEJ zu einem Em pfang auf der Bühne des GRIPS Theaters ein. Getanzt wurde zur Musik des HAC Quartetts.

Fotos und Laudationes unter http://www.assitej.de

„Augenblick mal!“ Das Kinder- und Jugendtheater auf Entdeckungsreise in Berlin

„Augenblick mal!“, das Festival des Theaters für junges Publikum wurde am 25. April eröffnet. Die Festivalgäste wurden  herzlich begrüßt von Gerd Taube und dem gesamten Festivalteam des Kinder- und Jugendtheaterzentrums, den Kurator*innen, vom Produktionsteam von „Ehrliche Arbeit“, von Kay Wuschek (Theater an der Parkaue), Philipp Harpain (GRIPS Theater) sowie von Caren Marks (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) und Wolfgang Schneider (Vorsitzender der ASSITEJ). Heute Abend werden im GRIPS Theater am Hansaplatz die ASSITEJ Preise verliehen. Wer nicht in Berlin sein kann, kann dennoch mithören, mitgucken, mitmachen, mitdenken und mitreden:

Zum Mithören Kuratorin Anke Meyer im Gespräch: https://www.kulturradio.de/av/programm/kultur_aktuell/2017/kultur_aktuell_0790.html

Zum Mitlesen: http://www.morgenpost.de/incoming/article210303007/Spielerisch-richtige-Antworten-finden.html

https://www.zitty.de/event/buehne-schauspiel/augenblick-mal-sorry-10041751/

Zum Mitgucken: Kuratorin Azadeh Sharifi im TV: http://mediathek.rbb-online.de/tv/zibb/Augenblick-mal/rbb-Fernsehen/Video?bcastId=3822084&documentId=42314406

Zum Mitmachen: Wolfgang Schneider fragte in seinem Grußwort danach, auf welchem Weg das Kinder- und Jugendtheater in einer sich verändernden Theaterlandschaft ist und warb für die Teilnahme an der repräsentativen Befragung der ASSITEJ, die Grundlage für einen Bericht zur Lage des Kinder- und Jugendtheaters in Deutschland sein wird. Denn es geht darum herauszufinden:

„Wer sind wir? Und wie viele? Wer fördert, wer macht mit, wer guckt zu? Was wird gespielt, in welchen Räumen, mit welchen Mitteln? Eine quantitativ angelegte empirische Studie soll der Selbstvergewisserung dienen. Sie wird durch Ihre Teilnahme qualifiziert, mit Beispielen aus der künstlerischen Praxis und durch die Analyse kulturpolitischer Rahmenbedingungen. Machen Sie mit, auf dem Weg zu den wahren Fakten, machen Sie Anregungen, was geht und was nicht.“

Wer noch keine Einladung zur Teilnahme erhalten hat, sollte sich rasch an kjtstudie@kjtz.de wenden.

Zum Mitdenken und Mitengagieren:

„Immer noch gibt es die Verteilungskämpfe, die Ungerechtigkeiten im System: Das Theater für junges Publikum, das mit dem geringsten Etat, mit den kleinsten Ensembles, die zudem die bescheidensten Buden bespielen müssen. Wenn sie überhaupt eine würdige Spielstätte ihr Eigen nennen dürfen. Jüngstes Beispiel: Das Theater o.N. in Berlin kriegt eine Kündigung. Wenn ihnen überhaupt eine würdige Förderung gewährt wird. Jüngstes Beispiel: Das Theater Pilkentafel in Flensburg. Was da abgeht, das geht ganz und gar nicht!

http://www.theater-on.com

http://flensburgtheater.de/pilkentafel/

Mehr über das Festival ist unter www.augenblickmal.de zu erfahren.

 

Probehandeln

„Konferenz: Beteiligung“, eine Veranstaltung des Theaters an der Parkaue vom 8.bis 9. April 2017 in Berlin

Mit Vorträgen und in gemeinsamen Werkstätten haben die etwa siebzig Expert*innen aus dem Kinder- und Jugendtheater den Begriff „Beteiligung“ theoretisch wie praktisch durchdacht und reflektiert.

Konferenz: Beteiligung @ KJTZ 2017Beteiligung ist eines der Schlagworte, die mit Partizipation, Teilhabe etc. einen öffentlichen Diskurs organisieren, der von den jeweils empfundenen bzw. nachgewiesenen Defiziten ausgeht. Durch eine genaue Kontextualisierung der Begriffe können an den Diskurs geknüpfte Interessen erkannt, einerseits überzogene Erwartungen abgewehrt und andererseits radikale Potentiale genutzt werden. Über ihre Teilnahme hinaus sollen diese Vielen nicht nur mitmachen, sondern die Bedingungen ihres Handelns auch durchschauen. Wird Theater als soziales Handeln verstanden, geht es auch in der Kunst um Transparenz. Kunst als Teil der Demokratie unterstützt nicht die Konsenskultur, sondern befähigt dazu, Dissens verstehbar zu machen. Hierzu gehört es, künstlerische wie soziale Prozesse als komplex, vielschichtig und vielfach widerstreitend wahrzunehmen.

Konferenz: Beteiligung © KJTZ 2017Diesen Denkraum haben sich die Teilnehmenden in den Werkstätten auch praktisch erschlossen. Assoziativ und explorativ sind existierende Arbeitsstrukturen verhandelt und Perspektiven eröffnet worden. Erkenntnisse sind dabei aus einem dezidiert künstlerischem Blickwinkel, aus der Soziologie von Organisationen oder aus einem gemeinsamen „Kochlabor“ gewonnen worden. Aufschlussreich war beispielsweise, dass die bloße Konstatierung von gesellschaftlichen Gegensätzen ins Leere läuft – aber mit spielerischen Mitteln für die Teilnehmenden produktiv gestaltet werden kann. Neben vielen solcher kleinen Erfahrungen sind auch eine Reihe größerer Ideen für gelungene Beteiligungen in der Zukunft zusammengetragen worden. Es ist zu wünschen, dass diese Vorschläge für die Öffnung der Theater – nach innen durch eine Änderung der Arbeitsstrukturen und nach außen durch neue Angebote wie auch durch eine größere Einbeziehung des Publikums – an vielen Orten in den Theateralltag weitergetragen und schließlich in die Praxis überführt werden.

Mit dieser Konferenz hat das Theater in der Parkaue als Veranstalter ein einleuchtendes Format vorgestellt, um nicht nur das eigene Programm weiterzuentwickeln, sondern auch einen Beitrag zur Weiterbildung der Kinder- und Jugendtheater zu leisten.

Jürgen Kirschner

Weiterlesen: http://www.parkaue.de/spielplan/eroeffnung-konferenz-beteiligung/