Stipendiatinnen der dg:starter beim 30. Frankfurter Autor*innenforum

Zusammen mit dem Kinder- und Jugendtheaterzentrum in der Bundesrepublik Deutschland vergibt die Arbeitsgruppe dg:starter der Dramaturgischen Gesellschaft in diesem Jahr wieder zwei Stipendien für junge Dramaturg*innen, Berufsanfänger*innen oder Student*innen, die bisher keine, kaum oder nur wenig Berührung mit dem Kinder- und Jugendtheater hatten und dies ändern wollen. Die Stipendiat*innen begleiten das gesamte Autor*innenforum und treffen in einem offiziellen Programmpunkt auf andere Nachwuchskünstler*innen und Theatermacher*innen. Gemeinsam gehen sie auf die Suche nach (Zukunfts-)Visionen, Fragen und Wünschen, die das dramaturgische Arbeiten für ein junges Publikum von morgen prägen können.

Katharina Engel und Annika Henrich sind die Stipendiatinnen beim diesjährigen Autor*innenforum:

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„Ich bin Katharina, werde aber eigentlich von allen nur Kathi genannt, und bin 23 Jahre alt. Aufgewachsen bin ich in einer Kleinstadt im wunderschönen Norden Deutschlands und habe dort durch ein FSJ Kultur meinen beruflichen Weg zum Theater gestartet. Im Herbst 2014 zog es mich dann für mein Bachelorstudium der Theaterwissenschaft nach München, wo ich bis heute lebe. Mittlerweile studiere ich hier im dritten Mastersemester Dramaturgie an der Theaterakademie August Everding. Zum Kinder- und Jugendtheater zog es mich – ehrlich gesagt – durch eine zunehmende Frustration über das Erwachsenentheater: sowohl über strukturelle/institutionelle Aspekte als auch über so manche Ästhetiken. Vor allem aber über die oftmals fehlende Publikumsorientiertheit. Jetzt beschäftige ich mich seit einer kurzen Weile intensiver mit dem Kinder- und Jugendtheater und bin vor allem begeistert von den anderen Dramaturgien und den – auf alle Arten und Weisen – ehrlichen Publikumsreaktionen!“

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„Ich bin Annika und studierte auf meinem bisherigen Weg Szenische Künste an der Universität Hildesheim und Dramaturgie an der Akademie für Darstellende Kunst in Ludwigsburg. Assistenzen und Hospitanzen in Regie und Dramaturgie führten mich ans Stadttheater Gießen, Schauspiel Hannover und Schauspiel Stuttgart. Mein künstlerisches Schaffen in Hildesheim gipfelte in der Leitung eines universitären Projekts mit dem Titel Peinlichkeit und Selbstherabsetzung als Strategien der Selbstinszenierung. Ich entschied mich für die Dramaturgie und betreute in Ludwigsburg als Dramaturgin drei studentische Regiearbeiten und war Teil des Leitungsteams von Furore 2018, dem internationalen Festival für junges Theater an der ADK. Mit dem Theater für junges Publikum bin ich nach meinem Abitur in meiner Heimatstadt Gießen in Berührung gekommen, wo ich bei Produktionen des Kinder- und Jugendtheaters assistierte und mit dem Jugendclub arbeitete. Beim Frankfurter Autor*innenforum erhoffe ich mir nun, mit neuen Erfahrungen und Perspektiven auf die Theaterarbeit für und mit jungen Menschen zu schauen.“

Die dg:starter sind eine Arbeitsgruppe der Dramaturgischen Gesellschaft. Ziel ist es, Nachwuchsdramaturg*innen zu vernetzen. Seit 2011 gibt es das Format DENKRAUM, in dem Raum zum Austausch junger Theatermacher*innen geschaffen wird. Die Kooperation mit dem Frankfurter Autor*innenforum findet in diesem Jahr zum dritten Mal statt. Mitglieder der dg:starter: Friederike Engel (Nürnberg), Sina Katharina Flubacher (Stuttgart), Christoph Macha (Dresden), Kathrin Simshäuser (Braunschweig).

 

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Die Entscheidung über die nationale Auswahl für AUGENBLICK MAL! 2019 steht!


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Zwei Tage lang haben sich die Kurator*innen Bianca Sue Henne, Ina Karr, Eva-Maria Magel, Carsten Brandau und Çığır Özyurt-Güneş im Projektbüro Berlin des Kinder- und Jugendtheaterzentrums zurückgezogen und diskutiert, um aus insgesamt 168 mehrfach gesichteten Produktionen und schließlich 32 Inszenierungen, mit denen Sie in die Endauswahl gestartet waren, jene zehn herauszufinden, die beim kommenden Augenblick mal! im nationalen Programm gezeigt werden sollen. Puh! Um aus der Vielzahl sehr guter Inszenierungen, die die Sichtungsreisenden auch jenseits der großen Städte erlebten, eine Auswahl treffen zu können, haben sie sich auf gemeinsame Kriterien verständigt:

  • Geht die Inszenierung wegweisende Wagnisse ein?
  • Lädt sie ein zum selber fühlen, denken und urteilen?
  • Ist sie relevant für alle Zuschauer*innen?

Hier nun die anhand dieser Kriterien ausgewählten Inszenierungen des nationalen Festivalprogramms:

KINDERTHEATER

Der kleine AngsthaseD’haus Junges Schauspiel, Düsseldorf | nach Elizabeth Shaw | Regie: Martin Grünheit | 4+

Heldensubbotnik in Koproduktion mit FFT Düsseldorf, Freies Werkstatt Theater Köln, Theater an der Ruhr | von subbotnik (Kornelius Heidebrecht, Martin Kloepfer, Oleg Zhukov) | 10+

Jetzt bestimme ichbarner 16 / Meine Damen und Herren in Kooperation mit Kampnagel, Hamburg | nach Juli Zeh und Dunja Schnabel | Regie: Charlotte Pfeifer, Martina Vermaaten | 6+

Klang-StückeTheater o.N., Berlin | von Theater o.N. & Gästen| 2+

NachtsTheater Oberhausen | von Franziska Henschel | Regie: Franziska Henschel | 4+

JUGENDTHEATER

Besuchszeit vorbei (UA), tjg. theater junge generation, Dresden | von Ariel Doron | Regie: Ariel Doron | 16+

Frühlings ErwachenSchauburg Theater für junges Publikum, München | von Frank Wedekind | Regie: Jan Friedrich | 14+

GIRLS BOYS LOVE CASHCitizen.KANE.Kollektiv in Kooperation mit Junges Ensemble Stuttgart | Regie: Christian Müller | 15+

Mädchen wie die, Junges Schauspiel Hannover | von Evan Placey | Regie: Wera Mahne | 13+

WaisenJUNGES.THEATERBREMEN / Moks | von Dennis Kelly | Regie: Konradin Kunze | 14+

Das nationale Festivalprogramm, das vom 7. bis 12. Mai 2019 in Berlin gezeigt wird, ist ein politisches. Da werden Populismus, Prostitution, Rassismus und Genderfragen ebenso thematisiert wie der Umgang mit Regeln und mit autoritären Verhältnissen. Und es spielt mit einer auffallenden Bandbreite theatraler Formen. Gleich zwei der eingeladenen Inszenierungen wurden von inklusiven Ensembles produziert, machen Inklusion aber nicht zu ihrem Thema.

Augenblick mal! ist das bedeutendste bundesweite Festival des Theaters für junges Publikum und findet alle zwei Jahre in Berlin statt. Augenblick mal! 2019 wird vom Kinder- und Jugendtheaterzentrum in der Bundesrepublik Deutschland in Kooperation mit der ASSITEJ Deutschland e.V., dem Theater an der Parkaue – Junges Staatstheater Berlin, dem GRIPS Theater Berlin, dem Theater STRAHL Berlin und dem FRATZ international veranstaltet und ist gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa.

Pressemitteilung: PM Augenblick mal! 2019

Von Annett Israel, die die Kurator*innen während ihres neunmonatigen Sichtungsprozesses begleitete.

 

30. Frankfurter Autor*innenforum für Kinder- und Jugendtheater

AuFo_Programm

Welche Welt sollte das Theater für junges Publikum zugänglich machen oder infrage stellen? Und welche Verantwortung haben die Künstler*innen für das, was sie erzählen und wie sie es erzählen?
Das 30. Frankfurter Autor*innenforum stellt als Fachtagung für Kinder- und Jugendtheater die Frage „Was wollen wir der jungen Generation erzählen von der Welt?“: Welche Welt thematisieren die Texte, welche Stoffe und Erzählstrategien beinhalten sie? Was bedeuten Dramatik und Text in Hörspiel, Film und Literatur für junges Publikum sowie im Theater des Virtuellen und Digitalen? Welche Dramaturgien braucht Theater für junges Publikum im 21. Jahrhundert?

Das Frankfurter Autor*innenforum für Kinder- und Jugendtheater war die erste öffentliche Veranstaltung des KJTZ bei seiner Gründung im Jahr 1989 und hat sich seitdem zum jährlichen Branchentreffen für Dramaturg*innen, Autor*innen, Regisseur*innen, Theaterleiter*innen und Verleger*innen entwickelt. In den ersten Jahren als Marktplatz für Stücke bekannt, thematisiert das Autor*innenforum mittlerweile nicht mehr nur die Autor*innen, die Stoffe finden, Themen bearbeiten und Geschichten entwickeln. Performative Prozesse, kollektive Stückentwicklungen und Roman- und Filmbearbeitungen gehören inzwischen ebenso selbstverständlich zur Theaterpraxis und zu den Motoren für die schöpferische Arbeit im Kinder- und Jugendtheater. Zum Jubiläum diskutieren die Beteiligten nicht nur die Gegenwart, sondern lassen Momente aus 30 Ausgaben des Autor*innenforums Revue passieren und wagen einen Ausblick in dessen Zukunft.

Die Fachtagung findet vom 1. bis 3. November 2018 im Theaterhaus Frankfurt statt. Die beiden Staatspreise zur dramatischen Kinder- und Jugendliteratur, der Deutsche Kindertheaterpreis und der Deutsche Jugendtheaterpreis 2018,  werden am Abend des 1. November von Dr. Franziska Giffey, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, im Kaisersaal des Frankfurter Römers verliehen.

Das Programm_Autor_innenforum2018 sowie das Anmeldeformular sind auf der Website des Kinder- und Jugendtheaterzentrums zu finden. Anmeldeschluss ist der 26. Oktober 2018.

Spiel(t)räume – das 8. Deutsche Kinder-Theater-Fest in Minden

Von Vera Rumpel

Stimmengewusel – immer mehr Tagungsteilnehmer*innen finden sich im E-Werk in Minden ein – Kaffeeduft liegt in der Luft, es gibt sogar meine Lieblingskekse – noch 15 Minuten bis zum Beginn der Fachtagung „Theaterspiel in der Grundschule – von Anfang an!“ – ich komme mit den ersten Tagungsteilnehmer*innen ins Gespräch – die Tagung beginnt…

Zum Auftakt ein Vortrag von Prof. Dr. Wolfgang Sting über kindliches Spiel und dessen Bezug zum Theaterspielen in der Grundschule: Besonders im Gedächtnis bleibt die Aufforderung, Kunst und Kinder nicht als Widerspruch à la „Ist das Kunst, oder was für Kinder?“ zu begreifen.

Dann vier Beiträge zu unterschiedlichen Herangehensweisen an das Theaterspielen in Grundschulen: Hierzu werden Beispiele aus den Bundesländern Hamburg (von Johanna Vierbaum), Mecklenburg-Vorpommern (von Jörg Hückler), Hessen (von Katja Pahn) und Baden-Württemberg (von Christian Schulz) vorgestellt. Inzwischen ist es früher Abend geworden und das 8. Deutsche Kinder-Theater-Fest startet mit witzigen Shorties der eingeladenen Inszenierungen (gespielt von den Jury-Kids) und viel Konfetti.

Konfetti

Während der Tagung öffnet sich der Vorhang insgesamt 10 Mal für uns. Neben den 6 Theaterstücken, die durch die Jury im Vorfeld unter 36 Bewerbungen ausgewählt wurden, bietet uns das Rahmenprogramm des Theaterfestes weitere 4 Aufführungen, die uns über unsere Landesgrenzen hinaus blicken lassen. Es ist jeweils eine Theatergruppe aus Tschechien und China zu Gast. In der Inszenierung Clowns und andere Katastrophen von der Eine-Welt-Schule in Minden werden Sprachbarrieren via Slapsticks überwunden und das Projekt 199 kleine Helden von der Filmemacherin Sigrid Klausmann macht es möglich, Kinder aus unterschiedlichen Ländern auf ihrem Schulweg zu begleiten.

Ich bin fasziniert von den zahlreichen künstlerischen Eindrücken: das spielfreudige, kreative und abwechslungsreiche Geschehen auf den Bühnen, die Gespräche mit den Tagungsteilnehmer*innen sowie den jeweiligen Spielleiter*innen der Stücke sind unglaublich bereichernd. Ebenso die Workshops: Johanna Vierbaum (Arbeitsbereich Theater für Grundschule und Klassen 5/6 am Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung) leitet „Theaterarbeit mit den Kleinsten“ an. Sie schafft es auf wunderbare Weise, Übungen zur Erarbeitung von Theaterstücken mit Grundschüler*innen mit ihren eigenen Erfahrungen in diesem Bereich zu verbinden.

Luftballon

Erst im September bin ich aus dem Schauspielensemble in die Theaterpädagogik des Theater Schloss Maßbach gewechselt – ich freue mich schon sehr darauf, mit den Grundschüler*innen unserer Partnerschule loszulegen und all den Input in die Tat umzusetzen. Mit Luftballons, einem letzten Lieblingskeks und dem Gefühl, mit einem riesigen Koffer voller Ideen nach Hause zurückzukehren, mache ich mich auf den Weg – die vier Tage vergingen wie im Flug!

Vera Rumpel ist Theaterpädagogin am Theater Schloss Maßbach.
Die ASSITEJ e.V. ist Mitglied der Ständigen Konferenz „Kinder spielen Theater“.

„Schiefer gehen“ von Carsten Brandau: Uraufführung am 27.9.2018 im Theaterhaus G7 in Mannheim

Von Henning Fangauf

In Mannheim soll ich schiefer gehen? Geht das überhaupt? In dieser Stadt der rechten Winkel, des Planquadrats, deren Straßen von A1 bis U6 durchbenannt sind? Ich habe an dem Experiment teilgenommen, habe mich gemeinsam mit anderen im Schiefergehen geübt und bin dem Urknall des Theaters ein Stück näher gekommen: mehr Licht, mehr Liebe!

Im Theaterhaus G7 ist der Versuch unternommen worden, Theater und Publikum schiefer gehen zu lassen. Carsten Brandau hatte dazu das passende Stück geliefert, Inka Neubert und ihr Team haben die Uraufführung gewagt. Der Autor geht von einer kühnen These aus: … diese Welt geht nicht gerade. Und deshalb darf Theater, das vom Schiefgehen handelt, nicht nur selbst SCHIEF gehen – es muss vielmehr SCHIEFER als schief gehen!

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Hups! Der Vorhang klemmt, der Arm ist ab: „Schiefer gehen“ in Mannheim. Foto: Arthur Bauer

Hier und Jetzt, Drauf und Dran, Hülle und Fülle und viele weitere Figurenpaare spielen mit uns in allen Varianten das Schief-Sein und das Schief-Gehen durch. Dabei wird auch mal ein Arm abgerissen, der Vorhang klemmt, das Ertrinken naht… Alles schief auf dieser Bühne und in diesem wunderbaren Stück, das nun seine gelungene Uraufführung erlebte.

Im Kreis der Premierenbesucher*innen wurde anschließend lustig debattiert über schief und gerade, über alt und jung, über Theatertheater. Und je schiefer der Abend, umso seriöser das Projekt: gefördert vom Deutschen Literaturfonds und vom Kinder- und Jugendtheaterzentrum im Rahmen des Projektes „Nah dran! Neue Stücke für das Kindertheater“. Da konnte ja nix schief gehen.

Weitere Aufführungen am 5., 6., 7., 12., 13. und 14. Oktober 2018.

 

 

Zwei mal zehn preiswürdige Stücke für das Kinder- und Jugendtheater – Teil 5 (Schluss)

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(c) Annika Freytag

Heute stellt der Sprecher der Jury für den Deutschen Kindertheaterpreis 2018 und den Deutschen Jugendtheaterpreis 2018, Prof. Dr. Gerd Taube, Leiter des Kinder- und Jugendtheaterzentrums, die letzten vier Texte aus den Auswahllisten zu beiden Kategorien vor. Weiterlesen

Zwei mal zehn preiswürdige Stücke für das Kinder- und Jugendtheater – Teil 4

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(c) Volker Metzler

Mit neuen Texten von Luc Tartar, Oliver Schmaering, Fabrice Melquiot und Kevin Armento stellt heute die Jurorin Karola Marsch, Leiterin der Abteilung Dramaturgie und Theaterpädagogik am THEATER AN DER PARKAUE, Junges Staatstheater Berlin, vier weitere Stücke aus den Auswahllisten zum Deutschen Kindertheaterpreis 2018 und zum Deutschen Jugendtheaterpreis 2018 vor. Weiterlesen