EURODRAM – Die Auswahl 2017 wurde präsentiert

Eurodram_Präs_21-6-17Gestern Abend, am 24.6.2017, fand im Theaterhaus G7 in Mannheim die EURODRAM-Präsentation der diesjährig ausgewählten fremdsprachigen Theaterstücke statt. Mit sichtlichem Engagement lasen Mannheimer Nachwuchsschauspieler*innen 20-minütige Ausschnitte aus den Übersetzungen der Stücke und präsentierten diese dynamisch und unterhaltsam. Ein anschließendes Gespräch mit den Autor*innen und Übersetzerinnen gab Einblicke in deren Arbeit und rundeten die Vorstellung ab. Das Theaterhaus G7 war gut besucht und erwies sich als kompetenter Partner für diese Veranstaltung, die fremdsprachige Dramenliteratur bekannter macht.

Das deutsche Lesekomitee von EURODRAM entscheid sich in diesem Jahr für folgende Autor*innen, ihre Stücke und Übersetzungen:
Alexander Manuiloff: „Der Staat“ (Aus dem Bulgarischen / Englischen von Hannes Becker);
Ivor Martinić: „Drama über Mirjana und die Menschen um sie herum“ (Aus dem Kroatischen von Blazena Radas)
und Simona Semenič: „sieben köchinnen, vier soldaten und drei sophien“ (Aus dem Slowenischen von Urška Brodar).

Das EURODRAM-Stipendium geht in diesem Jahr an Blazena Radas für eine weitere Übersetzung aus dem Kroatischen.

EURODRAM ist ein europaweit agierendes Netzwerk für Theater in Übersetzung und beschäftigt sich gezielt mit der Förderung von Theaterliteratur durch den Austausch von Texten und sucht besonders den Austausch zwischen Übersetzern, Autoren und Theatern. Weitere Informationen: www.eurodram.wordpress.com 

 

 

Mülheimer KinderStücke Preis

Heute, 19.5.17, 14.21 Uhr stand die Entscheidung fest: die Berliner Dramatikerin Tina Müller erhält den Mülheimer KinderStücke Preis 2017. Aus-

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Foto: Sebastian Hoppe

gezeichnet wird sie für ihr Stück „Dickhäuter“, das vom Theater Fallalpha Zürich uraufgeführt und in Mülheim gezeigt wurde. Die Autorin teilt sich den Preis, so gab sie in einer kurzes Dankesansprache bekannt, mit dem Ensemble und der Regisseurin Brigitta Soraperra.

Lou ist neu in der Klasse, eine Situation, die Angst macht, aber auch Lous Phantasie beflügelt. Ist sie ein Nashorn, das in den Zoo gehört, ein Dickhäuter? Die Jury, der Florian Fiedler, Thomas Irmer und Iwona Nowacka angehörten, lobten die sprachliche Qualität, den Metaphernreichtum und die gemeinschaftstiftende Aussage des Stückes.

Das Zentrum gratuliert der Autorin, die 2008 mit dem Deutschen Jugendtheaterpreis ausgezeichnet wurde, sehr herzlich. Weitere Informationen unter http://www.kinderstuecke.de

„Anfall und Ente“ – SPIELPLATZ und ‚Nah dran!‘ Zwei Premieren am Bodensee

 

_DSC3228Am letzten Sonntag, dem 7. Mai 2017, war das Theater Konstanz ganz auf Kindertheater gepolt. Um 15.00 Uhr fand am Jungen Theater die Uraufführung „Anfall und Ente“ der Hamburger Autorin Sigrid Behrens statt. Das Stück entstand dank der Förderung durch das ‚Nah dran!‘ Projekt in Zusammenarbeit zwischen der Autorin und dem Theater. Diese Zusammenarbeit wurde 2015 von Sarah Wiederhold, damalige Leiterin des Jungen Theaters, initiiert  und von Philipp Teich (Dramaturgie) und Ingo Putz (Regie) nun zur Premiere gebracht. Das Premierenpublikum jubelte! Textbücher gibt’s ab sofort beim Drei Masken Verlag in München. Ingo Putz stellte sich mit dieser ersten und gelungenen Inszenierung als neuer Leiter des Jungen Theater in Konstanz vor. Und dass “Anfall und Ente“ sich zeitgleich im Autorenwettbewerb des Heidelberger Stückemarktes befand (eines von 6 aus 92) setzte dem Stück und dieser für das Kindertheater neuen Autorin die Krone auf. „Anfall und Ente“ ist Sigrid Behrens erstes und gewiss nicht letztes Kinderstück. Auf dem Foto von Bjørn Jansen https://bjoernjansen.com/ sind zu sehen Jana Alexia Rödiger und Sebastian Haase. Weiterlesen

Transfer – Werkstatt Kinder- und Jugendtheater in Übersetzungen

StSt2017_Transfer_Foto_Amelie Vogel (2)Als Teil des Festivalprogramms „Starke Stücke“, wurde gestern Abend, 12.3.17, die Übersetzerwerkstatt „Transfer“ mit einer Lesung beendet. Seit Do., 9.3. diskutierten und bearbeiteten fünf Teilnehmerinnen, unter der Leitung von Barbara Christ, ihre Übersetzungen der folgenden aktuellen Kinderstücke in die deutsche Sprache:

Cow-Boys (Des Cow-boys) von Sandrine Roche, aus dem Französischen von Anne-Isabelle Zils

Vollmondkinder (Les Enfants de la Pleine Lune) von Emanuelle delle Piane, aus dem Französischen von Mandana Mansouri

Robins Glück im Unglück (Olycka och elände) von Tove Applegren, aus dem Schwedischen von Theresa Stooß

Antons großes Herz (Antons store hjerte) von Lilje Windbirk, aus dem Dänischen von Franziska Koller

Mauz und Wuffs Guter Tag (Maukan ja Väykän hyvä päivä) von Timo Parvela, aus dem Finnischen von Elina Kritzokat

Die aus dem Polnischen übersetzende Agnes Siewert musst ihre Teilnahme leider kurzfristig absagen. Es lasen: Uta Nawrath, Susanne Schyns und Günther Henne (Theaterhaus Ensemble).
Auf dem Foto von rechts nach links: Barbara Christ, Theresa Stooß, Franziska Koller, Anne-Isabelle Zills, Elina Kritzokat, Mandana Mansouri und Henning Fangauf

 

 

„Noah, Niemand und die Gelbbauchkormorane“- Ein neues Stück aus der ‚Nah dran!‘ Förderung hatte Premiere in Bonn

Gestern abend, am Fr., 3. März fand im Bonner Theater Marabu die Uraufführung des Kinderstückes „Noah, Niemand und der Gelbauchkormoran“ von Lothar Kittstein statt. Das Stück, noah-plakat-web-4für Kinder ab 7, entstand in enger Zusammenarbeit zwischen Autor und Theater und wurde durch die Förderung unseres ‚Nah dran!‘ Projektes ermöglicht. Vor über einem Jahr hatte das Team mit den Recherchen begonnen und Bonner Grund- und Gesamtschüler in das Projekt einbezogen. Das mythologische Bild der Arche diente hier als Sinnbild für Flucht und Vertreibung. Was heißt es die Heimat zu verlassen, was nimmt man mit, was fehlt einem? Kuscheltiere, immer wieder nannten die Kinder den Verlust ihres Kuscheltieres als besonders schmerzhaft. Und so folgerte die Inszenierung (Konzeption und Regie: Tina Jücker und Claus Overkamp) und überraschte das Publikum mit einer großen Ansammlung von Kuscheltieren, die beim Einlass schon erwartungsfroh auf den Zuschauerplätzen saßen.

Das Stück kann von zwei Schauspielern gespielt werden, die wechselnd die zwei Handlungsstränge bedienen. Zum einen der Konflikt zwischen Kapitän Noah mit einem Blinden Passagier, der den Namen „Niemand“ erhält und zum Schluss, nach einer Rettungstat, zu einem „Jemand“ wird. Die Auseinandersetzung zwischen den beiden trägt viele Anklänge an unsere teils aggressive, teils ratlose Diskussionen in der Flüchtlingsdebatte. Im parallel verlaufenden Handlungsstrang erleben wir zwei Phantasievögel – zwei komische Gestalten – die sich als Gelbbauchkormorane ausgegeben und somit die Aufnahme an Bord erschwindelt haben. Ihr Spiel und ihre Dialoge eröffnen wunderbar die Fragen nach Freundschaft und Solidarität.

Regie und Spiel (Jaschar Markazi Noubar und Alexander Prizkau) schaffen es leichtfüßig diese Handlungsstränge zusammenzubringen und durch Improvisation mit dem Publikum alle in das Spiel einzubeziehen. Die Inszenierung macht deutlich: wir sitzen alle im selben Boot und das ist nicht voll sondern in ihm kann verhandelt werden.

„Noah, Niemand und die Gelbbauchkormorane“ steht bis Ende März und im Mai sowie im Herbst 2017 auf dem Spielplan des Marabu Theaters. Die Aufführungsrechte werden vom Fischer Theater & Medienverlag vertreten, dort können auch die Textbücher angefordert werden. Das Stück bietet sich nicht nur als zeitaktuellen Beitrag an sondern auch als Vorlage für eine vielfältige, Künstlerinnen und Künstler herausfordernde Arbeit.

Henning Fangauf

Augenblickmal.de online

Ab sofort können Fachbesucher online Karten bestellen.

Auf insgesamt acht Berliner Bühnen im Theater an der Parkaue, in den Sophienesælen, im Theater Strahl und im Grips Theater im Podewil präsentiert das Kinder und Jugendtheaterzentrum in der Bundesrepublik Deutschland vom 25. bis 30. April 2017 das Festival des Theaters für junges Publikum „Augenblick mal! 2017“ und zeigt herausragende Inszenierungen für Kinder und Jugendliche. Der Saal des Theaterdiscounter wird zum Gesprächsraum, in dem interessierte Besucher wie Fachpublikum sich über die Inszenierungen und zentrale inhaltliche Diskurse austauschen können. Direkt gegenüber in der Klosterstraße befindet sich im Podewil das Festivalzentrum, das zum informellen Gespräch und Austausch einlädt.

Das Festivalprogramm ist mit Informationen zu allen dreizehn Inszenierungen und zum Rahmenprogramm online. Ab sofort sind Kartenbestellungen für Fachbesucher möglich. Das Formular muss ausgedruckt und dann ausgefüllt an das Kartenbüro augenblickmal@parkaue.de geschickt werden. Der offizielle Kartenvorverkauf beginnt am 20. Februar 2017 im Theater an der Parkaue.

KINDERTHEATER

Das Theater Waidspeicher erzählt die berührende Fluchtgeschichte der kleinen Toda in „Als mein Vater ein Busch wurde und ich meinen Namen verlor“ mit Kreidemalerei, Schau-, Puppen und Schattenspiel. Die freie Gruppe pulk fiktion lädt in der „Konferenz der wesentlichen Dinge“ ihr Publikum dazu ein, in einem Gesellschaftsspiel die Regeln der versammelten Tischgemeinschaft selbst festzulegen und bringt Alt und Jung direkt miteinander ins Gespräch. Den Dialog zwischen den Generationen nimmt auf ganz andere Weise auch Birgit Freitag auf, die in „Eins zu Eins“ ein Duett zweier Menschen choreographiert, die keine Tänzer sind, sich im Tanz aber dem großen Altersunterschied zum Trotz auf Augenhöhe begegnen. Wieder anders fokussieren die acht Schauspieler des Freiburger Theaters im Marienbad das Generationenthema: sie erinnern sich in „Kindheit“ daran, wie es war, als sie selbst noch jung waren. Und die oft gehänselte Außenseiterin Lisa bekommt in „Mein ziemlich seltsamer Freund Walter“ in der Inszenierung des Thalia Theater Halle tatkräftige Unterstützung aus dem All.

JUGENDTHEATER

In „Sorry“ beschäftigen sich Monster Truck und der nigerianische Choreograf Segun Adefila mit der (Un)Möglichkeit einer Begegnung auf Augenhöhe im Schatten postkolonialer Machtverhältnisse. „Die Paten“ von der freien Gruppe Turbo Pascal öffnen zwei ebenbürtigen Männer aus unterschiedlichen Generationen und Familien die Bühne und entwerfen von Francis Ford Coppolas Kultfilm inspirierte Männlichkeitsbilder. Die Romanadaption „Tigermilch“ vom Comedia Theater Köln verfolgt dagegen das Leben zweier Mädchen, die beschlossen haben, erwachsen zu sein und zeichnet ein mitreißendes und schonungsloses Portrait über die Jugend. „The Basement“ vom Berliner Theater Strahl zeigt mit Tanz, Wucht und Musik kraftvoll bis zum Exzess welche Schwierigkeiten und Faszination das Miteinander mit sich bringt. Und James & Priscilla hinterfragen in „Nightcalls“ musikalisch, was es bedeutet, als Paar aneinanderzuhängen und was das mit Individualität oder Selbstverwirklichung zu tun hat.

INTERNATIONALE GASTSPIELE

Die Niederländische Produktion „Hip Hop Hurray“ erzählt mit Musik, Animation und Witz von Hip Hop als impulsgebender Tanzform und lässt die Kinder im Publikum auch selbst die Bewegungselemente ausprobieren. Der weißrussische Regisseur Yevgieny Korniag wehrt sich mit „Latent Men“ gegen die traditionelle Theaterästhetik seines Landes, die ausschließlich archetypische Frauen- und Männerbilder zeigt. In seinem kraftvollen Bewegungstheater werden stereotype Machtverhältnisse durchbrochen und genderspezifische sowie sexuelle Konzepte der Gegenwart verhandelt. „Trans[e]ición“ schließlich nimmt das Publikum mit auf eine Reise zwischen kubanischem Voodoo, Trance, individuellem und kollektivem Bewusstsein. In einer Mischung aus Hiphop, House und afro-kubanischer Folklore untersuchen die schwedischen und kubanischen Tänzer die Bedeutung ritueller Formen und das menschliche Streben nach Spiritualität.

“Please enjoy as hard as you can”

 

Zwei junge Nachwuchsdramaturgen/innen beobachteten das 28. Frankfurter Autorenforum und haben sich Gedanken gemacht

foto_dg_starter_4-11Wie kann man als Erwachsener seine Sprache ins Spiel bringen um Kinder und Jugendliche zu erreichen und dabei auch noch den Anspruch auf „große Erzählungen“ von „globalen Dörfern“ „multiperspektivisch“ gerecht werden?

„Beim Schreiben nicht bewusst für Kinder und Jugendliche geschrieben.“ – Vielleicht ist es ja dieses Unbewusste, welches nicht nur den Kopf sondern auch die Sensoren für diese „globalen Dörfer“ in Bewegung hält, den Chatverlauf ins Unendliche treiben lässt, die Autokorrektur überspringt, einen Sprachfluss vorantreibt, der nach der „nicht erfüllten Sehnsucht“ in unseren Handys greift, die in ihrem Unbewussten diese Leerstelle, diese Lücke fassen können.

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