Preisträger*innen des Nachwuchs-Stückwettbewerbs 2020

Drei Autor*innen werden mit dem Sonderpreis für Studierende des Szenischen Schreibens oder ähnlicher Studienrichtungen ausgezeichnet:
Mit der Auslobung des Deutschen Kindertheaterpreises 2020 und des Deutschen Jugendtheaterpreises 2020 schreibt das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gleichzeitig bis zu drei Sonderpreise für Studierende des Szenischen Schreibens oder ähnlicher Studienrichtungen aus. Die Preise sind jeweils mit 1.000 Euro dotiert.

Preisträger*innen des Nachwuchs-Stückwettbewerbs sind in diesem Jahr:

Katharina Kern
mit Bis sie verschwinden im reifen Weizen (14+)
Studiengang Literarisches Schreiben an der Universität Leipzig

Begründung der Jury:

Irgendwo in der Provinz an einem namenlosen Ort. Kim und Luca sind von klein auf immer zusammen. Während Kim in der Schule immer mehr ausgegrenzt wird, vor allem von Alex, fühlt sich Luca immer mehr zu Alex hingezogen. Luca führt Alex sogar zu dem Turm, der für Kim bisher immer ein gemeinsamer geheimer Ort war. Eine schwierige Dreiecksgeschichte nimmt ihren Lauf und spitzt sich mehr und mehr zu.

Luca springt vom Turm und liegt auf der Intensivstation. Alex verprügelt Kim und verschwindet im reifen Weizen. Kim kommt auf eine andere Schule. Und Luca liegt noch immer auf der Intensivstation. Lehrer*innen und Eltern bleiben ratlos zurück.

Katharina Kern erzählt einfühlsam und talentiert von den vielen Facetten und Problemen der Adoleszenz: Unsicherheit, Eifersucht, Mobbing, Liebe und Freundschaft. Alle drei Figuren gewinnen in den subtilen Dialogen und Monologen eine feine Kontur. Dabei gelingt der jungen Autorin das wegweisende Kunststück, überzeugend von Liebe und Beziehungen zu erzählen, ohne dass die Geschlechtsidentität der Figuren eindeutig bestimmbar wäre.


Ivana Sokola

mit Kill Baby (14+)
Studiengang Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin

Begründung der Jury:

Kitti, Viki, Sugar, drei Generationen in einer Hochhaussiedlung. Die Monologe der drei kreisen um Liebschaften, Mutterschaft und Kindheit. Kitti ist 17 und schwanger. Viki und Sugar haben Erfahrungen im Kinderkriegen und Großziehen. Sie wollen helfen, wenn das Baby da sein wird. Kitti aber kann und will sich nicht mit ihrer zukünftigen Rolle als Mutter abfinden.

Das Stück ist nicht eindeutig. Die erste Lesart ist die tragische: Der Text umspannt die Fallhöhe von 23 Metern. Vom 10. Stock bis ganz unten. Das Baby wird gekillt durch Kittis Selbstmord. Man hofft inständig, sie möge sich anders entscheiden. Dabei fällt sie schon.

Die zweite Lesart ist die trostlose: Kitty stellt sich ihren Sturz nur vor, entscheidet sich aber dennoch für eine Abtreibung. Wie man es auch dreht, das Baby wird gekillt. Und wie man es auch liest: Ivana Sokola erzählt nicht auf geradem Wege, sondern erfindet eine poetische Struktur, die die Brutalität des Vorgangs nicht verschleiert, sondern verstärkt.

Ein eindrucksvolles atmosphärisch dichtes Stück, das junges Publikum emotional herausfordert, sich selbst einen Reim auf das Erzählte zu machen.


Lisa Wentz

mit Aschewolken(13+)
Studiengang Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin

Begründung der Jury:

Es ist Nacht. Michael stiehlt sich durchs Fenster aus Mathés Zimmer – da steht plötzlich Laura vor dem Haus und droht, ihn zu verpetzen. Dabei hatte Michael alles so gut geplant: heute Nacht wird er 16, in den frühen Morgenstunden will er nach Bukarest abhauen und ein Denkmal hinterlassen, um an Mathé zu erinnern. Mathé, seinen Freund, der vor kurzem gestorben ist.

Laura war auch mit Mathé befreundet, nur anders als Michael. Sie beschließt, ihn auf seinem Streifzug durch die Stadt zu folgen – gegen seinen Willen. Doch dann entsteht eine Komplizenschaft auf Zeit zwischen den beiden Figuren. Sie brechen gemeinsam in die Schule ein, sprayen Graffiti und nehmen Abschied. Beide sind Außenseiter in der Schule und für beide war Mathé eine Art Bindeglied zur Welt der Anderen. Am Ende der Nacht begleitet Laura Michael zum Bahnhof – und er steigt in den Zug nach Bukarest.

Lisa Wentz lässt die Zuschauer*innen zu Zeugen einer ungewöhnlichen nächtlichen Begegnung werden und konzentriert die Handlung auf wenige Stunden. Trotz dieser gezielten Verknappung gelingt es ihr, zwei glaubhafte und kraftvolle Figuren zu entwickeln und eine berührende Geschichte über Freundschaft zu erzählen.


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