Autor*innen@ Augenblick mal!: Grenzen

von Sergej Gößner


IMG-20190510-WA0008Eigentlich wollte ich irgendwas mit GRENZEN schreiben. Davon erzählen, wie Theater versucht, diese zu überwinden und sie versucht einzureißen. Sie in Frage stellt oder aufzeigt. Und dann wollte ich irgendwie irgendwann sowas sagen wie: Ja, und übrigens, Ihr – nachtkritik, die Leute von nachtkritik – Ihr zieht eine GRENZE. Eine ganz klare. Ihr sagt: Wir sind hier und ihr seid gar nicht da. Ihr findet nicht statt. Nicht für uns. Es sei denn, es geht um was Wichtiges. Um irgendwelche Preise, oder so.

Aber ich wollte nicht klingen wie ein frustrierter Schauspieler, der bisher immer ausgerechnet an den Häusern war, für die sich nachtkritik nicht interessiert hat und nach wie vor nicht interessiert. Oder wie ein Autor, der bisher primär für Kinder und Jugendliche schreibt und so für dieses unabhängige und überregionale Theaterfeuilleton tendenziell gar nicht existiert. Ich wollte nicht schreien: Ich will halt endlich Aufmerksamkeit. Ich mach doch Theater. Und ab und an sogar sehenswertes.

Aber Hand aufs Herz, genau das möchte ich. Ich möchte stattfinden. Ich möchte Aufmerksamkeit. Nicht nur für mich. Sondern für uns alle und vor allem dort, wo die GRENZE verschwimmt. Denn auch, wenn ich momentan am Jungen Schauspielhaus Hamburg spiele und bisher primär für Kinder und Jugendliche schreibe, werden meine Sachen von vielen Erwachsenen gesehen. Es gibt Theaterabende, die nicht wirklich zuzuordnen sind. Die für Jugendliche und Erwachsene funktionieren. Augenblicklich spielen wir beispielweise Demian von Hesse und Antigone von Sophokles. Der Zuschauerraum ist jedes Mal so wunderbar gemischt. Da sitzen Schüler*innen, Student*innen und aber auch das typische Abendspielplan-Publikum. Letztere dürfen sich bei uns noch dazu über ansprechend niedrige Eintrittspreise freuen. Und eine Antigone, die nur 70 Minuten lang ist, lädt garantiert nicht zum Wegpennen ein. – Auch mal ganz nett, im Theater zur Abwechslung nicht einzuschlafen. – Genauso gibt es zeitgenössische Stoffe, die nicht klar zuzuordnen sind. Die ab 12, 14 oder 16 Jahren empfohlen werden und nicht minder Erwachsene erreichen und für sie relevant sind. Inszenierungen, spannende Bearbeitungen, die sich durchaus sehen lassen können, die mithalten können. Auch mit den Größen des Abendspielplans. Trotz eines fast immer absurd kleineren Produktionsbudgets.

Jetzt weiß ich natürlich nicht, ob das von euch gelesen wird. Ihr habt wohl gerade genug mit dem Theatertreffen zu tun. Aber ich finde Trost und sehe ein mögliches Vorbild für euch in unserem dann doch zumeist jungen Publikum. Denn dem ist es völlig egal, wer da vorne steht und so tut als ob. Wer mit Zadek Kantinenbierchen schlürfen durfte und wer im Polizeiruf spielt. Von wem der Text stammt ist ihnen völlig wumpe. Ebenso, wer da Regie geführt hat. Welche Preise die/der schon gewonnen hat. Unsere Darbietung überzeugt unser Publikum oder sie tut es nicht.

Ich weiß, ich weiß, GRENZEN helfen, den Überblick zu wahren. Sie GRENZEN ein, aber leider GRENZEN sie auch aus.

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