Starke Worte: wo bleibt das Kinder- und Jugendtheater der Stadt Frankfurt?

von Gerd Taube


Im Rhein-Main Gebiet rund um Frankfurt konnte man in den letzten beiden Wochen jede Menge Starke Stücke beim gleichnamigen Internationalen Theaterfestival für junges Publikum erleben. Das Festival gibt es schon seit 1994. Bei der Eröffnung des Jubiläumsfestivals in der Stadthalle Eschborn am Dienstag letzter Woche hatten sich die Veranstalter*innen von 30 Spielorten aus 14 Kommunen der Rhein-Main-Region zu einer eindrucksvollen Kette aufgereiht, die einmal quer durch den Saal reichte. Neben den Gründer*innen, von denen einige heute noch dabei sind, standen diejenigen, die über die Jahre zu diesem ziemlich einzigartigen regionalen Verbundfestival als Veranstalter*innen dazu gekommen sind. Sie repräsentieren Kulturämter, Bürgerhäuser, Stadttheater und Kulturzentren, die allesamt die Verantwortung für das junge Theaterpublikum zu einem Schwerpunkt in ihrer Arbeit gemacht haben. Sie haben die besondere Chance einer Beteiligung an dem Festivalnetzwerk erkannt, die ihnen die Möglichkeit eröffnet, ihrem Publikum renommierte Gastspiele aus dem In- und Ausland zu zeigen.

Um Chancen und Verantwortung ging es auch bei der Podiumsdiskussion Starke Worte am Welttag des Theaters für junges Publikum. Die Veranstalter*innen hatten an einen symbolträchtigen Ort geladen: das Zoo-Gesellschaftshaus, vom Starke Stücke-Festival als Spielort genutzt, wird laut eines Beschlusses der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung als Ort für ein neu einzurichtendes Kinder- und Jugendtheater der Stadt Frankfurt geprüft.

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Foto: Katrin Schander

Die Kulturredakteurin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und derzeitige Kuratorin für das Festival des Theaters für junges Publikum Augenblick mal! 2019, Eva-Maria Magel, sprach mit Brigitte Dethier, der seit vergangenen Dezember neuen Vorsitzenden der ASSITEJ Deutschland, die als Intendantin des Jungen Ensembles Stuttgart die Arbeitsgruppe des Kulturamtes für das Kinder- und Jugendtheater berät; mit Prof. Dr. Wolfgang Schneider, Dethiers Vorgänger als langjähriger ASSITEJ-Vorsitzender und Direktor des Instituts für Kulturpolitik an der Universität Hildesheim; sowie mit der Frankfurter Kulturdezernentin, Dr. Ina Hartwig.

Zuvor hatten sich die kulturpolitischen Sprecher*innen der Fraktionen der Römer-Koalition Sebastian Popp (GRÜNE), Dr. Renate Wolter-Brandecker (SPD) und Dr. Thomas Dürbeck (CDU) in kurzen Statements einhellig zu dem Standort des zukünftigen Kinder- und Jugendtheaters im Zoo-Gesellschaftshaus bekannt und die in der vorliegenden, sogenannten Masse-Studie festgestellte Machbarkeit der Unterbringung des Theaters an diesem Standort bekräftigt. Die Sprecher*innen verbreiteten einerseits Optimismus und riefen andererseits zum Realismus auf. Man müsse ja nicht nur den Umbau, sondern auch den Betrieb eines Kinder- und Jugendtheaters für Frankfurt finanzieren und zwar dauerhaft. Und man könne gegenwärtig keine Garantien für spätere Finanzierungen geben. Und überhaupt müsste jetzt erst einmal der Grundsatzbeschluss über die Einrichtung des Kinder- und Jugendtheaters durch die Stadtverordnetenversammlung gebracht werden. Das könne man noch in diesem Jahr schaffen, aber es werde auch nicht einfach. Sie dämpften also die Erwartungen und relativierten ihre starken Worte.

Die Ankündigung der Frankfurter Kulturdezernentin, Dr. Ina Hartwig, dass für den Umbau und die Einrichtung des neuen Frankfurter Kinder- und Jugendtheaters sechs Jahre veranschlagt werden, war dann ziemlich starker Tobak für die Podiumsgäste und das Publikum im Zoo-Gesellschaftshaus. Gerade weil das Trauma des Anfang der 1990er Jahre nach kurzer Existenz wieder geschlossenen kommunalen Kinder- und Jugendtheaters während der Diskussion immer wieder zitiert wurde, wird dieser Zeithorizont auch als ein Risiko gesehen. Aber bevor sich Mutlosigkeit breit machen konnte, forderte Wolfgang Schneider „Nur Mut!“: Es dürfe auch experimentiert und über unkonventionelle Lösungen nachgedacht werden. Und Moderatorin Eva-Maria Magel rief zur Gründung eines unterstützenden Vereins für das Frankfurter Kinder- und Jugendtheater auf, damit die Vision Gesicht und Stimme erhält. Die aufmerksame Starke Stücke-Crew hatte auch schon eine Liste vorbereitet, auf der sich Interessent*innen an einem solchen Verein eintragen konnten.

So hatte man dann beim Verlassen des Zoo-Gesellschaftshauses über die repräsentative Vorfahrt das Gefühl, dass es doch voran geht mit dem Frankfurter Kinder- und Jugendtheater am Zoo.

 

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