Ein Hoch auf die Provinz!

von Henning Fangauf


Zwei neue Kinderstücke bieten sich fürs Repertoire an

Die wahren Ereignisse finden selten in den Metropolen statt. Echte Entdeckungen lassen sich an versteckten Orten machen. Ein Hoch auf die Provinz!

So möchte ich die Erlebnisse meiner jüngsten Theaterreisen ins niederbayerische Eggenfelden und ins mittelhessische Marburg zusammenfassen: An beiden Orten fanden, um wenige Tage zeitversetzt, die Uraufführungen neuer Stücke für das Kindertheater statt. Das Theater an der Rott und das Hessische Landestheater hatten sich 2017 mit Erfolg um die Förderung durch unser Projekt Nah dran! Neue Stücke für das Kindertheater beworben und den renommierten Autor Jens Raschke sowie die Newcomerin Anah Filou jeweils mit einem Stück beauftragt. Die Ergebnisse können sich sehen lassen.

Jens Raschke hat für das kleine Theater an der Rott in Eggenfelden Wer nicht träumt, ist selbst ein Traum für Menschen ab 8 geschrieben. Markus Steinwender, Leiter der Sparte „Junge Hunde“, hat die Uraufführung inszeniert. Raschkes Stück findet auf ganz eigene, sensible und metaphorische Weise den Weg zu einem politisch-gesellschaftlichen Thema. Was passiert in einer Familie, in der die Tochter, die große Schwester bei einem Unfall ums Leben kommt und welche Perspektiven ergeben sich, wenn die Eltern beschließen ein gleichaltriges Flüchtlingsmädchen aufzunehmen? Raschke verlagert die traumatischen Erlebnisse in die Welt der Träume, spielt auf die von ihm bekannte Weise mit Schein und Sein, Wirklichkeit und Traum. Das Bühnenbild für die Uraufführung gestaltete übrigens Leo Vukelic, bis 2017 Vorsitzender der ASSITEJ Kroatien. Man lernte sich auf dem ASSITEJ Weltkongress in Kapstadt 2017 kennen.

In Anah Filous Stück Am Hafen mit Vogel (7+) geht es, im weitesten Sinne, auch um 1200-Inthega_linke-seiten-13das Thema Geflüchtete. Geflogen und geflüchtet liegen nah beieinander. Nanina ist zum ersten Mal in ihrem Leben geflogen. Wie geht das mit dem Fliegen und wer kann und wer darf fliegen? Im Transitraum sitzt Dodo, der flugunfähige Vogel. Aber warum kann Dodo nicht fliegen? Dodo hat, im Gegensatz zu Nanina und ihrem Papa keinen Pass. Nur wer ihn besitzt kann Grenzen überwinden. Aber in dem Stück hat Dodo ein eigenes Flugmaschinenvogelschiff. Carola Unser, Intendantin des Hauses, hat das Stück inszeniert und die Herausforderung, die das sprach-spielende, philosophische Stück an das Ensemble stellt mit viel Phantasie bestens gemeistert.

Die Stücke sind nun im Repertoire der beiden Theater zu finden und warten auf eine Nachinszenierung. Mir haben die Premieren erneut deutlich gemacht, welche Potentiale entstehen wenn ein gelungenes Theaterstück auf ein engagiertes Theaterteam stößt und gemeinsam die Uraufführung auf die Bühne bringt. Ganz zum Nutzen des jungen Publikums, das sich an beiden Orten begeistert zeigte.

Die Bewerbungsfrist für die nächste Runde Nah dran! endet übrigens am 1. April: Also schnell los!


Die Stücke und die Inszenierungen sind im Rahmen von Nah dran! Neue Stücke für das Kindertheater, einem Kooperationsprojekt des Kinder- und Jugendtheaterzentrums in der Bundesrepublik Deutschland und des Deutschen Literaturfonds e.V., mit Mitteln der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien gefördert worden.

 

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