Generationenwechsel im Kinder- und Jugendtheater: „Was bleibt von meiner Arbeit übrig?“

von Gundula Hölty, Geschäftsführerin des FUNDUS THEATER | THEATRE OF RESEARCH in Hamburg


Im Rahmen des Hamburger Kindertheater Treffens im Februar 2019 fand am 17. Februar eine Gesprächsrunde zum Thema „Generationenwechsel im Kinder- und Jugendtheater“ mit 21 Teilnehmer*innen und Moderatorin Caroline Heinemann im FUNDUS THEATER statt.

Nach dem gemeinsamen Vorstellungsbesuch von ottos mops der freien Theatergruppe kirschkern Compes & Co. hatten alle Beteiligte ein konkretes Beispiel des Generationenwechsels vor Augen: Peu à peu erschlossen sich innerhalb der angesetzten zwei Stunden die Bandbreite und Vielfalt der Thematik, die Unterschiede zwischen Theaterhäusern und freien Bühnen sowie der Generationenwechsel in Verbänden. Das Thema hat vor allem auch sehr persönliche Seiten – geprägt von ideellen Wünschen und Hoffnungen: Was bleibt von meiner eigenen Arbeit übrig? Was wird aus dem individuellen künstlerischen Stil? Was gibt man weiter, den „Geist“, ein Haus, Infrastruktur, Stücke, …? Der Grundgedanke, der in der Runde geäußert wurde, war, dass man etwas aufgebaut habe, man daran hängt und es wert ist, dies weiterzugeben. Bei Solokünstler*innen kommt noch hinzu: Wenn ich das nicht mehr mache, gibt es die Theatergruppe, meine Stücke nicht mehr – das ist in Ordnung.

Es wurde deutlich, dass in Übergangsprozessen eine spezifische künstlerische Sprache verloren gehen kann, wenn sie nicht von anderen fortgeführt wird. Auf der anderen Seite gibt es aber auch bewusste Trennungen, wenn z.B. eine Produktion nicht mehr zeitgemäß ist. Hier könnte ein weiterer Diskurs noch ausführlicher geführt werden: was ist mit der Archivierung von Inszenierungen, Weitergabe von beispielsweise Figuren an ein Museum, einer Lizenz an eine andere Gruppe, Texte an Verlage undsoweiter.

Bei kirschkern Compes & Co. war der Wunsch, Stücke zu erhalten – und nun sind sie in der glücklichen Situation, eine Nachfolgerin für eine Spielerin gefunden zu haben. Fünf Stücke sind durch Umbesetzungsproben (auf eigene Kosten, da keine Förderung dafür eingeworben werden konnte) nun weiterhin im Repertoire, eine neue Produktion ist in Planung – verbunden mit der Fragestellung nach Kontinuität oder neuem Stil. Die Nachfolgefrage ist somit auch eine Finanzierungsfrage und bedingt ebenfalls den Blick auf die Bedingungen im Kinder- und Jugendtheater und politische Forderungen.

fundus theater
Foto: Charlotte Bendler

Die Problematik, die passenden „Erben“ zu finden, schilderte auch Wolfgang Stüßel (Theater STRAHL Berlin, ASSITEJ-Vorstand) aus eigener Erfahrung. Der Transformationsprozess dauere erheblich länger, als angenommen. Hilfreich sei, sich für das Aufhören (auch wenn man das vielleicht eigentlich gar nicht möchte) einen festen Zeitpunkt zu setzen. Bei Veränderungen der Struktur und Umwandlungen (in diesem Fall vom Verein in eine gGmbH) empfiehlt es sich, externe Beratung und Coaching in Anspruch zu nehmen. Weitere Erfahrungsberichte aus beiden Perspektiven (Theaterhaus und freie Gruppe) lieferten Tine Krieg (FUNDUS THEATER) und Peter Markhoff (Theater Mär).

Nicht nur der Wechsel, sondern auch der Austausch der Generationen wurde am Ende diskutiert. Hier lag ein Fokus u.a. auf den kulturpolitischen Errungenschaften der älteren Generation wie auch auf der Notwendigkeit, die Ausbildung und Arbeit der nachfolgenden Generationen für das Kinder- und Jugendtheater attraktiver zu gestalten: Wie geht es also weiter? Die Fortführung dieser Kick-Off-Veranstaltung als ASSITEJ-Werkstatt ist in Planung.

 

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