Zwei Preisverleihungen, zwei Sonderpreise… und ein Bundesverdienstkreuz!

Wow. Was für ein Abend.
Im Kaisersaal des Frankfurter Römers überreichte Juliane Seifert, Staatssekretärin im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, am Donnerstagabend die beiden wichtigsten deutschen Staatspreise für dramatische Literatur für Kinder und Jugendliche, die mit jeweils 10.000 Euro dotiert sind. Erstmals wurden ausdrücklich auch die Leistungen der Übersetzer*innen bei fremdsprachigen Stücken gewürdigt: Preise und Prämien gehen zu jeweils gleichen Teilen an die Autor*innen und beteiligte Übersetzer*innen.

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(v.l.n.r.) Prof. Dr. Gerd Taube (Leiter des Kinder- und Jugendtheaterzentrums), Leyla-Claire Rabih, Frank Weigand, Juliane Seifert, Karola Marsch (Jury). Foto: Karin Berneburg

Den Deutschen Kindertheaterpreis 2018 erhält Fabrice Melquiot (Frankreich) für sein Stück »Die Zertrennlichen« (Felix Bloch Erben Verlag für Bühne Film und Funk, Berlin), in der Übersetzung von Leyla-Claire Rabih und Frank Weigand. Die Jury beschreibt das Stück als große Tragödie um Liebe, Macht und Herrschaftsansprüche für Kinder. Die Konstruktion des Textes sei ungewöhnlich im Theater für Kinder und überaus bemerkenswert: Melquiot greife zu mythischen, archaischen Gestalten und verschaffe den Kinderfiguren einen eigenen, von der Außenwelt unantastbaren Raum.

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(v.l.n.r.) Juliane Seifert, Dino Pešut, Alida Bremer, Prof. Dr. Gerd Taube (Leiter des Kinder- und Jugendtheaterzentrums), Christoph Macha (Jury). Foto: Karin Berneburg

Der Deutsche Jugendtheaterpreis 2018 geht an Dino Pešut (Kroatien) für »Der (vorletzte) Panda oder Die Statik« (henschel SCHAUSPIEL Theaterverlag, Berlin), in der Übersetzung von Alida Bremer unter Mitarbeit von Sonja Anders und Friederike Heller. Die Jury-Laudatio lobt das Stück als eines der politischsten des aktuellen Jugendtheaters. Modellhaft verhandele es am Beispiel der gesellschaftlichen Konflikte in Kroatien die großen Krisen der Demokratie, Turbo-Kapitalismus, Angst vor dem Fremden sowie den Verlust von menschlichen Werten. Das Stück mache in messerscharfen Sätzen und knappen Repliken sehr deutlich: Leute, wir müssen aufstehen!

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(v.l.n.r.) Prof. Dr. Gerd Taube (Leiter des Kinder- und Jugendtheaterzentrums), Vera Schindler, Fabienne Dür, Viktoria Klawitter (Jury), Thomas Stumpp (Jury), Juliane Seifert. Foto: Karin Berneburg

Die Jury hat zudem zwei Sonderpreise für Studierende des Szenischen Schreibens an Fabienne Dür (für »Zu wenig Wut oder So etwas passiert doch hier nicht«) und Vera Schindler (für »Allahu Akbar«), beide Universität der Künste Berlin, verliehen.

Zum Abschluss hieß es allerdings: Frau Seifert hat da noch etwas mitgebracht! Und dann herrschte große gerührte Sprachlosigkeit bei Wolfgang Schneider: Im Namen des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier wurde der ASSITEJ-Vorsitzende mit dem Bundesverdienstkreuz erster Klasse für seine großen Verdienste für kulturelle Bildung und kulturelle Vielfalt, für das Kinderrecht auf Teilhabe an Kunst und Kultur, für die Wertschätzung und Förderung der Künstler*innen in Deutschland und für den internationalen Austausch geehrt – eine Riesenüberraschung nicht nur für ihn selbst, sondern auch fürs Publikum. Sofort erhob sich der ganze Saal zum begeisterten und langen Applaus. Wir gratulieren hier nochmals von Herzen!

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Foto: Karin Berneburg

 


Die beiden Staatspreise für dramatische Kinder- und Jugendliteratur werden alle zwei Jahre vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend vergeben. Das Kinder- und Jugendtheaterzentrum in der Bundesrepublik Deutschland ist mit der Durchführung des Auswahlverfahrens und der Preisverleihung beauftragt.

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