Theaterkunst für die Jüngsten, künstlerischer Austausch und Fortbildung für die Künstler*innen

Das Festival „Visioni 2018“ in Bologna (Italien)

2714Das norditalienische Bologna ist gerade wieder Treffpunkt für Theatermacher*innen aus aller Welt, die sich und ihre künstlerische Arbeit dem jüngsten Publikum widmen. Dort wo seit über dreißig Jahren Theater, Kunst und Kultur für die frühe Kindheit als Menschenrecht gelebt wird, im Teatro Testoni Ragazzi und organisiert vom Team der Companie La Baracca, findet noch bis zum 4. März das Theaterfestival „Visioni 2018“ statt. Visionen für das Theater und Visionen für die Zukunft verspricht der Festivaltitel. Und man könnte sagen, mit den Zuschauerkindern aus Kinderkrippen und Kindergärten Bolognas sitzt die Zukunft, zumindest die Italiens, in jeder Vorstellung in den ersten Reihen.
Die Gastspiele des Festivals kommen aus europäischen Ländern wie den Niederlanden, Schweden, Österreich und selbstverständlich aus Italien. Deutschland ist mit dem Freien Theaterhaus Frankfurt und dem Helios Theater aus Hamm vertreten und den weitesten Weg hatten wohl die beiden Performerinnen der Companie ACT 3 International aus Singapore. Internationalität war schon immer ein Markenzeichen dieses Festivals und seit der La Baracca Gründer Roberto Frabetti als Treasurer im Exekutivkomitee der ASSITEJ Weltorganisation mitarbeitet, hat er aus dem Festival in Bologna einen strategischen Hotspot des internationalen Netzwerks der Kinder- und Jugendtheater gemacht. So unterstützt das Festival in diesem Jahr den Aufbau des internationalen Tanznetzwerks der ASSITEJ durch eine Einladung zum Netzwerktreffen. Und die zarten Bande, die vier Theatercompanies aus Chile und Mexiko geknüpft haben, wurden in einer Podiumsdiskussion als Keimzelle für ein ibero-amerikanisches Netzwerk des Theaters für die jüngsten Zuschauer präsentiert. Es geht eben bei „Visioni 2018“ nicht nur um künstlerische Visionen, sondern auch um die Vision der vernetzten Kooperation, um das Rechte der Kinder auf Teilhabe an Kunst und Kultur zu stärken.
Theaterkunst, künstlerischer Austausch und Fortbildung für Pädagog*innen vor Ort ergeben ein dichtes und intensives Programm, in dem sich die lokale Perspektive mit der internationalen verbindet. Dass Italien, Dank Roberto Frabetti, seit ein paar Jahren auch wieder über ein funktionierendes nationales ASSITEJ Zentrum verfügt, wird durch die Anwesenheit vieler italienischer Theatermacher*innen beim Festival sichtbar.
Seit drei Jahren werden zwei ganz neue Produktionen von italienischen Theatergruppen im Festivalprogramm gezeigt, so genannte Studios, die oftmals während des Festivals ihre erste öffentliche Aufführung haben. Statt einer Premierenfeier gibt es im Anschluss an diese Vorstellungen eine künstlerische Reflexion und ein strukturiertes Feedback von einer Gruppe von Festivalteilnehmer*innen. „Fermarsi un attimo“, so heißt dieses Angebot, und man könnte diese italienische Phrase auch mit „Einen Augenblick mal“ übersetzen. Der Workshop wurde auch in diesem Jahr vom Leiter des KJTZ, Gerd Taube, geleitet und die Ähnlichkeit des von den Veranstaltern gewählten Titels mit dem des Festivals des Theaters für junges Publikum „Augenblick mal!“ in Berlin scheint kein Zufall zu sein.
Die beiden Studios, die in diesem Jahr präsentiert wurden, könnten unterschiedlicher nicht sein. „HOMEsweetHOME“ von Residenza IDRA und dem Rebelot Teatro aus Brecia ist das Solo eines Geschichtenerzählers, der auf einem Stuhl sitzend auf leerer Bühne nur durch die Sprache und seinen Körper und fokussiert durch eine geschickte Lichtchoreografie die Geschichte von dem Eichhörnchen erzählt, das auf der Suche nach einem für sich passenden Heim ist. Im Gegensatz dazu geht es in der Inszenierung „Costellazioni. Pronto, partenza … spazio“ der Associazione Sosta Palmizi aus Cortona in Kooperation mit dem Teatro I nuovi Scalzi aus Barletta um nicht weniger als das gesamte Universum. Ein Tänzer und zwei Tänzerinnen füllen die kleine Bühne mit der Energie ihrer Bewegungen, mit holzschnittartiger Pantomime der Commedia dell’arte und mit dem satten Sound der italienischen Klassik. Besonders beeindruckend ist das Raumschiff, das aus einem Roman von Jules Verne zu stammen scheint.
In den Feedbacksessions zu den beiden Aufführungen haben die Teilnehmer*innen an der systematischen Reflexion und einem strukturierten Feedback für die Künstler*innen gearbeitet, die viele Impulse und jeweils einen Stapel Briefe der Teilnehmer*innen mit nach Hause genommen haben, um weiter an ihren Inszenierungen zu arbeiten.
Das Festival läuft noch bis zum 4. März 2018.

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