Wer recherchiert was, wie für wen?

Fachtag zur Recherecheorientierung im Kinder- und Jugendtheater

Ohne Recherche ist die Geschichte des Kinder- und Jugendtheaters in Deutschland nicht zu denken, denn die dokumentarischen Recherchen in der Lebenswelt der Kinder und die künstlerischen Recherchen für die adäquaten Formen der szenischen Darstellung prägten die Entstehung des emanzipatorischen Kinder- und Jugendtheaters vor einem halben Jahrhundert. Mit dieser Feststellung begann Ingrid Hentschel von der FH Bielefeld ihre Keynote zur Eröffnung des Fachtags von KJTZ, GRIPS-Theater und UdK am vergangenen Freitag im Podewil in Berlin Mitte.

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Die Teilnehmer*innen bei der Kartographie des Recherchetheaters auf der Bühne des GRIPS Theaters im Podewil 

Dass das Interesse für Rechercheprozesse im Theater für junges Publikum und in der Theaterpädagogik ungebrochen ist, zeigte die große Teilnehmerzahl und die Tatsache, dass die junge Generation von Theaterpädagog*innen und Künstler*innen ebenso in großer Zahl vertreten war, wie die erfahrenen Praktiker*innen und Wissenschaftler*innen. Es war eine gute Mischung von unterschiedlichen Perspektiven, die durch die partizipativen Diskursformate der Geheimen Dramaturgischen Gesellschaft (GDG) und die spielerischen Impulse aus dem GRIPS Theater, dem Theater o.N. Berlin und dem Fundus Theater Hamburg in einen regen Austausch gebracht wurden.

Vor allem die von Vincent Kresse und Willi Wittig von der GDG moderierte Kartographie des Recherchetheaters auf der Bühne des GRIPS Theaters im Podewil machte deutlich, wie vielfältig die Methoden inzwischen sind. Von Theaterpädagog*innen wurde in den Gesprächen oft bedauert, dass ihre Recherchen mit Kindern und Jugendlichen oftmals nur marginalen Einfluss auf die Kunstproduktion für junges Publikum haben. Da offenbaren sich strukturelle Hindernisse und persönliche Hürden in den Theatern. Der Fachtag hat gezeigt, dass Theaterpädagogik noch immer mehr ist als Kunstvermittlung und dass die Potentiale der theaterpädagogischen und künstlerischen Prozesse noch nicht in ausreichendem Maß genutzt werden, weil sie zwar aufeinander bezogen gedacht, aber noch zu oft nur unzureichend in einen Austausch gebracht werden.

Die über 70 Teilnehmer*innen haben einen Tag des intensiven Nachdenkens und der persönlichen Begegnung mit interessanten Kolleg*innen erlebt. Sicher ist nicht jeder Impuls und jede Erfahrung für sie direkt praktisch verwertbar, aber ebenso sicher werden sie sich bei zukünftigen Rechercheprojekten bewusster mit den geplanten Methoden auseinander setzen und sich vielleicht an die Leitfrage aus dem Eröffnungsvortrag erinnern: Wer recherchiert was, wie für wen?

Der Fachtag „Wer spricht? Rechercheorientierung im Kinder- und Jugendtheater“ wurde gefördert von der Schering Stiftung.

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