Thomas Lang wird Ehrenmitglied der ASSITEJ e.V.

wolfgang-schneider-thomas-lang-15-10-2016Am 15. Oktober 2016 fand im Theater der Jungen Welt Leipzig die jährliche Mitgliederversammlung der ASSITEJ e.V. statt. In diesem Rahmen entschieden die Mitglieder auch über eine Ehrenmitgliedschaft: Thomas Lang, Vorsitzender des Kuratoriums des Kinder- und Jugendtheaterzentrums in der Bundesrepublik Deutschland wurde zum Ehrenmitglied ernannt. Hier ist seine Rede nachzulesen: 

Diese Ehrung nehme ich mit Dank an, lieber Wolfgang, geschätzte Mitgliederversammlung und doch werde ich sie gelegentlich mit Staunen betrachten, sehe ich doch diese Leistungen, die mir zugeschrieben werden, als selbstverständlich an.

Denn eher habe ich zu danken. Die Mitarbeit im Vorstand der ASSITEJ und vor allem auch die Impulse aus dem Zentrum heraus haben mich als jungen Kinder- und Jugendtheatermacher in der Provinz bereichert, forderten mich zur Reflexion und banden mich ein in die engagierte Theaterkultur des Theaters für ein junges Publikum. Mächtig stolz drauf war ich darauf, diesem Kreis zwar hochneurotischer, aber doch hochkompetenter Spezialisten ihres Fachs angehören zu dürfen.

Und die attraktivsten Tagesordnungspunkte in der Vorstandsarbeit und bei zahlreichen anderen Versammlungen der Engagierten waren deshalb auch die Berichte aus den Provinzen, über Theaterneugründungen und Festivalerfolge, über Lösungsstrategien für kulturpolitische Konflikte und überwundene künstlerische Krisen. Das Wahrnehmen der anderen, die kollegiale Zusammenarbeit in den Regionen soll doch das Herz der ASSITEJ sein, ihr Sinn und Nutzen, und die Aufgabe des Vorstands, diese zu fordern und zu fördern.

Es ist also auch an mir zu danken für diese Zusammenarbeit mit den lieben und geschätzten Kolleginnen und Kollegen, die eintreten für ein Theater als Sinnbild einer Kommunalität, als Theater, die ihr kulturellen Angebote so gestalten sollten, dass einfach erst einmal nur mehr Menschen als bisher Nutzer wie Gestalter von Kunst, von Ausdrucksformen und Vorstellungswelten des Gedachten und Erfahrenen sein sollten.

Und ich danke denen, mit denen ich lange im Vorstand zusammenarbeiten durfte, für vertrauensvolle und freundliche Kollegialität , für freundschaftlichen Respekt ebenso wie für gutgelauntes Miteinander, und auch für das höfliche Lächeln sogar bei misslungenen Pointen.

Das klingt jetzt so nach Abschied, das soll es gar nicht. Selbstverständlich werde ich mich weiterhin als Mitglied engagieren.

Deswegen werde auch in Zukunft an Vorstandssitzungen teilnehmen und Entscheidungen kommentieren und rezensieren. Das war ein Scherz, ich wollte nur sehen, wer erblasst.

Also, ich bin dankbar, dass ich in der ASSITEJ mitarbeiten durfte und darf als Verantwortlicher für ein Kinder- und Jugendtheater sowie als Lehrender an verschiedenen Orten in einer Phase, in der die Kinder- und Jugendtheater dieses Landes sich entwickelten von einer skeptisch betrachteten Nischenspielerei bis zu einem ausgewachsenen und selbstverständlichen Teil unserer Theaterkultur, einer Idee von Theater, der es nicht genug sein konnte, den jungen Zuschauern nur irgendwie so Selbstverständlichkeiten zu erzählen wie: lies doch mal ein Buch und ein jedes Kind braucht einen Freund und Bär und Tiger könnten doch besser zusammenleben, wenn sie nur Kinder wären und davon, dass die Poesie doch so wichtig ist, eine gute Geschichten nicht zu verachten und Phantasie schön, für ein Theater also, das heute mehr denn je das ist, was alle Kunst sein sollte: die Suche nach der Wahrheit, soweit ihr bekannt, der Versuch, Wirklichkeit zu fassen, Lebensgefühl wiedererlebbar zu gestalten und die Pflicht, den jungen Leuten die Welt so komplex zu zeigen, wie sie ist. „Denn zwei Gefahren, so der Schweizer Essayist Paul Valery, bedrohen unaufhörlich die Welt: die Unordnung und die Ordnung.“

Und nun erwartet man sicher von mir weitere weise Worte oder altväterliche Mahnungen, vielleicht sogar Ausblicke in die Zukunft oder kulturpolitische Forderungen oder sowas. Ich halte es in solchen Fällen mit Lukas Podolski: Vergiss es.

Denn es ist vermutlich doch wohl eher mein sanftes Wesen und meine behutsame und zurückhaltende Art, der ich diese Auszeichnung verdanken darf.

Mir bleibt es, den werten Anwesenden alles Gute zu wünschen, glück- wie könnerhaftes künstlerisches Gelingen und sozialschaftliche Wahrhaftigkeit.

Thomas Lang 15. 10. 2016 Leipzig

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