StückSchreiben

„StückSchreiben“
Suchbewegungen in neuen Stücken für junges Publikum

Am letzten Wochenende fand in Mainz eine interessante, internationale Kinder- und Jugendtheaterbegegnung statt. Das Staatstheater hatte Künstlerinnen und Künstler aus Holland, Flandern und Deutschland eingeladen und sie an einem, an mehreren Tischen zusammengebracht. Chefdramaturg Jörg Vorhaben hatte die Festivalleitung, Amelie Barucha, Regieassistentin am Hause hat uns diesen Blogbeitrag geschrieben, der besonders auf die szenischen Lesungen neuer Stücke im Rahmen des Festivals 2016_titel_prog_flam-niederl_mainzeingeht.

Unweit von Frankfurt bot sich am vergangenen Wochenende die Gelegenheit, Gastspiele aus Belgien und den Niederlanden sowie deutschsprachige Erstaufführungen niederländischer Autoren zu gucken und mit Theatermacherinnen aus dem niederländisch-flämischen Raum und der Bundesrepublik ins Gespräch zu kommen.

Das Staatstheater Mainz lud zum ersten flämisch-niederländischen Kinder- und Jugendtheaterwochenende ein.

Der Sonntagnachmittag war den Autoren gewidmet. Im Workshop „STÜCKSCHREIBEN“, geleitet von Heleen Verburg, entstanden fünf, noch nicht fertig gestellte, Theatertexte, denen in szenischen Lesungen (Einrichtung: Amelie Barucha, Leonardo Raab und Mark Reisig) mit Mitgliedern des Mainzer Schauspielensembles Gehör verschafft wurde.

„Kraaaa!“ von Renée van Marissing ist ein Text für zwei (Frauen)Stimmen, der keine näher bestimmte theatrale Situation vorgibt, jedoch reich an Möglichkeiten der Gestaltung und Interpretation ist. Eine Textfläche, in der jedoch eine Geschichte steckt, gibt der Regie die Freiheit, eine eigene Lesart zu entwickeln und den Rhythmus und die Musikalität in den Zeilen hervorzuholen.

Gleich zwei der Stückfragmente kreisen um Krankheit und um Tod. In „Jonas und Baba“ von Mustafa Kör treffen wir zwei anrührende Figuren, die füreinander da sind. Die abenteuerlichen Geschichten aus Babas Kindheit in der Türkei nehmen den kranken Jungen Jonas in eine andere Welt mit, außerhalb des tristen Krankenbetts, und spenden Trost. Es bleibt offen, wer Baba ist. Ein Mann auf der Flucht, ein illegal Eingewanderter? Eine zerbrechliche und empathische Freundschaft zwischen den Generationen scheint auf. In „Ich bin überall nicht mehr“ (Maud Vanhauwaert) lernt der 11-jährige Protagonist Elias seinen verstorbenen Großvater im Traum kennen. In kurzen Dialogen entspinnt sich nach und nach die Beziehung der beiden Figuren, die sich langsam annähern.

Ein Motiv taucht immer wieder auf: die Sehnsucht nach einer nahen Person, nach der man konstant auf der Suche ist. Für die man sogar einen eigenen Avatar entwirft, wie es Aram in „RAMmbock“ (Tom Struyf) tut. In „Viel länger als du dir vorstellen kannst“ von Rebekka de Wit ist es die 14-jährige Protagonistin, die auf der Suche nach sich selbst, das erste Verliebsein erlebt und sich in haltlose Konstruktionen verstrickt, um dem begehrten Jungen zu gefallen.

In „STÜCKSCHREIBEN“ sind Texte entstanden, in denen Schicht für Schicht freigelegt wird und den Figuren Widersprüche und Tiefe verliehen wird. Es sind Konstellationen für zwei bis drei Darsteller, männliche und weibliche Figuren verschiedener Generationen. Sie kommen mal monologhaft, mal dialoghaft, mal als saftige Figuren, mal als pure Textflächen daher.

Das Programm ist ein Versuch, das Repertoire für Kinder- und Jugendtheater zu erweitern. Es bietet die angenehme Lage, einen Text zu verfassen, ohne den Produktionsdruck im Nacken sitzen zu haben und an dem nach einer ersten Präsentation mit Feedback weiter getüftelt wird.

Die Stückeschreiber sind keine ausgewiesenen Autoren, sondern in verschiedenen Kontexten im Theater tätig, nicht im Kinder- und Jugendtheater verhaftet, sondern sich bewegend zwischen den sicht- und unsichtbaren Grenzen der Sparten.

Die Stücke erscheinen in einer niederländischen und in einer deutschen Ausgabe und können auf www.denieuwetoneelbibliotheek.nl bestellt werden.

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