Fünf Juror*innen präsentieren zwanzig neue Stücke des Theaters für junges Publikum – Teil 2 von Lina Zehelein

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Heute stellt Lina Zehelein, Leiterin Education und Vermittlung am Staatstheater Darmstadt Theatertexte von Ingeborg von Zadow, Kristofer Blindheim Grønshag, Evan Placey und Bonn Park vor, die auf den Auswahllisten zum Deutschen Kindertheaterpreis 2016 und zum Deutschen Jugendtheaterpreis 2016 vertreten sind.

»Haus Blaues Wunder« (6+)
von Ingeborg von Zadow (Deutschland)
Verlag der Autoren, Frankfurt am Main

Zwei Versprechen, zwei Erwartungen und ein Haus. Herr Pfefferkorn und Herr Goldbeutel wähnen sich beide als neue und glückliche Besitzer eines Häuschens am Meer. Das Problem: Sie sind Eigentümer ein und desselben Hauses. Und vom Meer keine Spur. Ein Ringen um Raum und Haus beginnt, in welches nun beide mit ihren völlig unterschiedlichen Lebensvorstellungen einziehen wollen. In Ingeborg von Zadows Kinderstück „Haus Blaues Wunder“ stoßen zwei Menschen aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Doch sie haben eine Gemeinsamkeit: Beide wurden betrogen. Bis sie diese Verbindung aber erkennen und zusammen über eine Lösung nachdenken, müssen erst mal Menschen und Möbel verrückt werden.

»Traurigkeit und Melancholie oder Der aller aller einsamste George aller aller Zeiten« Fragment (14+)
von Bonn Park (Deutschland)
henschel SCHAUSPIEL Theaterverlag, Berlin

George ist eine Schildkröte und hat schon alles erlebt: An jedem Krieg hat er teilgenommen, an jeder Entdeckung war er beteiligt und jede Revolution hat er angeführt. Und weil George nichts mehr in Erstaunen versetzen kann und alle seine Freunde bereits tot sind, ist er müde. Lebensmüde. Sinnierend ruft er sich Erlebnisse aus der Vergangenheit in sein Gedächtnis, die bis zur Entstehung der Welt zurückreichen. Seine einzige Gesprächspartnerin ist die Regieanweisung, die einiges unternimmt, um seine Stimmung, für das Publikum, zu heben. Bonn Park unternimmt eine eigenwillige Reflexion über Raum, Zeit und Existenz und fordert gleichzeitig das Theater in seiner Übersetzungsarbeit für die Bühne auf ungewöhnliche Weise heraus.

»Satelliten am Nachthimmel« (Satellitter på himmelen) (8+)
von Kristofer Blindheim Grønskag (Norwegen)
Aus dem Norwegischen von Nelly Winterhalder
Verlag der Autoren, Frankfurt am Main

Der norwegische Autor erzählt die Geschichte über das Universum der kleinen Joni, in dem es ein Loch gibt. Wenn sie wütend ist, kann alles darin verschwinden – die gesamte Erde. Ihr kleiner Bruder ist der einzige, der Jonis Sprache versteht. Wo sich ihre Eltern in Unverständnis abgrenzen, sucht Joni mit ihrem kleinen Bruder auf Entdeckungstour durch den Weltraum das Zuhause, das sie ersehnt. Mit „Satelliten am Nachthimmel“ hat Kristofer Blindheim Grønskag in der sensiblen Übersetzung von Nelly Winterhalder ein poetisches Stück über die Welt aus der Sichtweise eines Kindes beschrieben, das – für seine Umwelt scheinbar stumm – viele Worte für die Übersetzung dessen findet, was es umgibt.

»Mädchen wie die« (Gils like that) (14+)
von Evan Placey (England)
Deutsch von Frank Weigand
Felix Bloch Erben Verlag für Bühne Film und Funk, Berlin

1928: Ein Mädchen bleibt gegen den Willen ihres Bruders auf einer Poolparty. 1945: Ein Mädchen schasst seinen Piloten-Kollegen, da dieser nicht unter ihrem Befehl fliegen möchte. 1968: Ein Mädchen entscheidet sich, gegen den Wunsch ihres Freundes, für eine Abtreibung. 1985: Ein Mädchen wehrt sich als Praktikantin einer Anwaltskanzlei gegen sexuelle Belästigung. Davor, dazwischen und danach: heute. Ein Mädchen wird von einer Mädchenclique im Internat gemobbt, bis sie eines Tages verschwindet. Eine Gruppe von Ich-Erzählerinnen zeichnet das Bild von jugendlicher Einfindung in die und Erfindung der Welt und skizziert eine besondere Problematik als Mädchen in dieser. Evan Placeys 2013 verfasstes Stück ist eine sinnliche und doch schonungslose Analyse des heutigen Mädchenseins und des gesellschaftlichen Drucks, der damit einhergeht, kommentiert mit historischen Beispielen der weiblichen Emanzipation und den (selbst reproduzierten) Klischees von Mädchen wie diesen.

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