Es geht nicht ohne Schauspieler

Der gespielte Mensch. Schauspielkunst zwischen Fiktion und Wirklichkeit im Kinder- und Jugendtheater. Eine Veranstaltung anlässlich des 80. Geburtstags von Christel Hoffmann

Christel Hoffmann hatte sich eine Geburtstagsfeier gewünscht, in deren Mittelpunkt die Schauspieler und ihre Kunst stehen sollten. Eine Hommage an die Schauspieler sollte es werden – die es im Kinder- und Jugendtheater schaffen, sich schon um 10 Uhr morgens die volle Aufmerksamkeit ihres Publikums zu erspielen, und deren Stand in Zeiten von Performance und „Experten des Alltags“ kein leichter ist.

Der 80. Geburtstag der als „strahlende Figur“ und „strenge Lehrerin“ besungenen Grande Dame des Kinder- und Jugendtheaters fand am Nachmittag des 23. April im Grünen Salon der Volksbühne Berlin statt. Die ASSITEJ Deutschland und das KJTZ hatten die Veranstaltung organisiert, unter der Federführung von Annett Israel vom Berliner Büro des KJTZ. Moderiert wurde der Nachmittag von der Schauspielerin Franziska Ritter.

Gewünscht hatte sich Christel Hoffmann, so Wolfgang Schneider, der Vorsitzende der ASSITEJ Deutschland, ein „Symposium mit Suppe“. Die gab es auch an diesem wunderbaren, herzerwärmenden und spielfreudigen Nachmittag in verschiedenen Variationen: Als Auftakt, aus dem ‚richtigen’ Kochtopf, und als humorvollen und explosionsreichen Abschluss aus dem ‚Theaterkochtopf’ der Berliner Pyromantiker.

Dazwischen: Eine lebendige Abfolge aus Szenen, Liedern und Balladen, Vorträgen, Gedanken, Geschenken und Gratulationen, in einer Mischung aus Symposium und Familienfeier. Viele Wegbegleiter Christel Hoffmanns waren zu Gast und auch: Menschen und Institutionen, deren Weg sie geprägt hat. Theaterpädagogen zum Beispiel, die, wie KJTZ-Leiter Gerd Taube erzählt, erst durch Christels Einsatz einen Hochschulabschluss in diesem Fach machen konnten. Die Hochschulprofessorin Ingrid Hentschel der FH Bielefeld, die Christel Hoffmann als „Schwester im Geiste“ bezeichnet und die über das Kindertheater „zwischen Realität und Phantasie“ spricht. Die Regisseurin Mira Erceg, deren persönlicher Rückblick auf die Zeit am Theater der Freundschaft in den Siebzigern von vielen augenzwinkernden Anekdoten durchsetzt ist (zum Beispiel der, wie sie von einem Dramaturgen lernte, dass man mit einem Hut nicht über die Bühne geht; sie hatte sich als „persönlichen Protest gegen das DDR-Grau“ einen lila Riesenhut und eine grüne Pelerine gekauft).

Zu Gast waren vor allem auch zahlreiche Theater und freie Truppen: das Grips Theater, das Theater o.N. und das Theater Strahl (Berlin), das AGORA Theater (St Vith, Belgien), das Theater Grüne Soße und das Theaterhausensemble (beide Frankfurt a. Main), das Theater im Marienbad (Freiburg), die Kompagnie Kopfstand (Berlin/Zürich) und das Theater Marabu (Bonn).

Alle standen sie auf der Bühne, als spielende, „gespielte“ Menschen mit lebendigen Geschenken. Jede einzelne der kurzen Szenen machte Lust auf mehr, oder ließ die „Vorstellung“ in das jeweilige Theater wandern. Zum Beispiel ins belgische AGORA-Theater, nach einer Szene voller Poesie aus das „Das Pferd aus Blau“: wenn Christel Hoffmann erzählt, dass dies die Schlussszene ist, wie dann Kinder auf über zwanzig alten Schaukelpferden reiten und wie ihr das bei jedem ihrer drei Vorstellungsbesuche die Tränen in die Augen getrieben hat.

„Ihr habt heute alle nichts verdient“, sagt Christel Hoffmann am Ende, „und trotzdem sind wir alle ein bisschen reicher geworden.“. Und: „Es geht ohne die Theaterkunst nicht, und ganz bestimmt nicht ohne Schauspieler.“

Franziska Muche
Übersetzerin und Dramaturgin

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