Aus m-m wird Mhm

Gestern, Sonntag 6. März, letzter Tag unserer „Transfer“-Werkstatt. Ein vollgepacktes Programm, von 10.00 bis 23.00 Uhr. Mit Stückseminaren, Leseprobe, einem Theaterbesuch, dem öffentlichen Auftritt bis zum rückblickenden Ausblick im Theatercafe zu später Stunde.

6-3-16_Gruppe_Transfer

Die Tagesarbeit stand im Zeichen zweier Jugendstücke in norwegischer Sprache. Die deutsch-norwegische Schauspielerin, Autorin und Übersetzerin Nelly Winterhalder stellte ihr selbstgeschriebenes Stück „Ich hab‘ noch nie“ vor und die junge Berliner Übersetzerin Therese Korritter berichtete über das von ihr übersetzte Stück „Der Junge“ von Kristofer B. Grønskag. Zwischen beiden gab es Parallelen. Und natürlich spielte die Sprache wieder die entscheidende Rolle.

Die norwegische Sprache und Dialogführung ist knapp und karg. Das mag im ersten Moment für die Dramatik von Vorteil sein – Stichworte Verdichtung, Konzentration -, entpuppte sich aber für die Übersetzerinnen als kniffelige Aufgabe. Insbesondere dann, wenn der Anspruch besteht, auch in der Übersetzung dem Sprachgestus des Originalstücks getreu zu bleiben. Da müssen im Deutschen, um es zum Klingen zu bringen, ein paar Worte mehr hinzugegeben werden.

Die Frage, wie Jugendsprache im Jugendtheater ausgedrückt und übersetzt wird, zog sich durch viele Diskussionen. Wie übersetzt man Modeworte, wie kann die Sprache auf Distanz gehen um sich nicht anzubiedern, muss wirklich alles immer gleich „mega geil“ sein? Ein Konsens wurde darin gefunden, für die Übersetzungen Worte zu wählen, die einen eigenständigen Wert haben aber eben auch an Jugendsprache erinnern. Das ist die Kunst!

Noch ein letzter Diskussionspunkt unter vielen: die Tempusfrage. Welche Szene braucht welche Zeitform: Präsens, Perfekt, Imperfekt? In der konkreten Arbeit an den beiden norwegischen Texten hatten die Übersetzerinnen hier und da das Präsens gewählt, auch wenn im Original die Personen im Perfekt sprachen. Durch diesen „Trick“ las sich die Szene für uns viel plastischer, sie wurde an den Zuschauer „herangezoomt“. Auch über so etwas wissen die Übersetzerinnen Bescheid.

Mit großem Engagement und vielseitiger Leselust begaben wir uns  dann in die abschließende, öffentliche Werkstatt-Präsentation. Um 19.30 Uhr hatten sich ca. 20 interessierte Festivalbesucher_innen im Theaterhaus eingefunden und folgten den vorgestellten Stückausschnitten. Hier  ist das Programm: 5-3-16_Abschl_Progr_Transfer Danach gab’s nicht nur Applaus und das verdienten Abendessen sondern es folgten noch lebhafte Nachfragen zu Stück und Übersetzung. Somit war „Transfer“ ein letztes Mal – wie in den vergangenen Tagen auch – im „Starke Stücke“ Festival angekommen.

„Transfer“ hat Mut und Lust auf mehr gemacht. Den Gedanken einer Fortsetzung der Werkstatt im nächsten Jahr werden wir und das Festival „Starke Stücke“ mit großer Priorität in unsere Planungen aufnehmen.

Henning Fangauf

 

 

 

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