Das Theater der Digital Natives

Am FFT Düsseldorf wurde am 29./30. Januar im Symposium ON/LIVE. Das Theater der Digital Natives über Kunst in der digitalen Gesellschaft diskutiert. Dabei gab es viel zu entdecken:

Elle Nerdinger (Mitglied der Piratenfraktion im Landtag NRW) stellt in ihrem Vortrag fest, dass der Begriff „Internetsucht“ ähnlich wenig Sinn macht wie der Begriff „Straßensucht“, weil es nicht das Internet ist, das süchtig macht, sondern bestimmte Plattformen im Internet. Digital Natives sind für sie nicht durch bestimmte Geburtsjahrgänge verbunden, sondern durch geteilte Erfahrungen in der digitalisierten Realität. Sie spricht über digitale Identitäten und Menschen, die ihre digitale Identität ganz klar von ihrer offline-Identität trennen. Das ist dann „Identitätshygine“.

In einer Reihe von LIGHTNINGTALKS berichten ganz unterschiedliche Personen in jeweils 5 Minuten von ihren Erfahrungen aus unterschiedlichen Projekten:

Ein Lehrer berichtet von einem Labor für Künstliche Intelligenz und Robotik, dass er in seiner Schule durchführt. Zuerst hat er dabei nicht über Theater nachgedacht. Inzwischen geht es um malende und tanzende Roboter und darum, Robotern eine Bühne zu geben. Ingo Toben (Regisseur) hat bei einem Projekt mit einer Förderschule festgestellt, dass die beteiligten Mädchen in ihrer Freizeit vor allem rausgehen: shoppen, Freunde treffen usw. Die Jungs hingegen sind eher online unterwegs. Die zwei im Projekt entstandenen Filme „Online-Offline“ sind als Installation im Foyer zu sehen. Marleen Götza spricht über Selbstinszenierung in geposteten Fotos und präsentiert uns extrem viele Fotos, in denen Mädchen im Swimming Pool in immer den gleichen Schwimmreifen in der Form eines angebissenen Donuts posieren. Eine technische Stimme, die ihr Gesicht nicht zeigt, spricht darüberm, dass digitale Assistenten wie Siri meist weibliche Stimmen haben.

Katja Grawinkel (FFT) spricht mit Elle Nerdinger, Prof. Dr. Thorsten Meyer (Professor an der Universität zu Köln), Niklas Klemme (Studierender an der Universität) und Lisa Zehetner (FFT) „Arts Education in Transition“, über Entwicklungen in Bildung und Kunst. Dabei geht es darum, dass sich in einem Bildungsprozess beide Seiten transformieren, also das Ich und die Welt, oder auch das Ich und die Schule. Der angehende Lehrer wirft die These in den Raum, dass es vielleicht irgendwann keine Lehrer mehr geben wird, und Thorsten Meyer, der Lehrer ausbildet, glaubt, dass es bald keine Schulfächer mehr gibt. Kathrin Tiedemann (FFT) sagt (in einem Video zum FFT Projekt Close up), dass fast alles aus Neugier entsteht, und aus dem Wunsch heraus, etwas zu tun, was man noch nicht kann. Das FFT hat sich in den vergangenen Jahren in künstlerischen Projekten mit Self Education beschäftigt und Jugendliche gefragt: Was möchtest Du lernen? Was möchtest Du können? Im Nachdenken darüber wird deutlich, dass Kinder und Jugendliche diese Frage nicht oft gestellt bekommen.

Was macht „Digital Nativeness“ mit Theater? Was sind die Theaterformen der Zukunft? Und was hat das alles miteinander zu tun?

Eine Parallele ist offensichtlich: Das Netz bietet Einzelpersonen Plattformen der Selbstinszenierung und Möglichkeiten der Teilhabe. Eine Zukunftsvision für Schule (die in besonderen Einzelfällen schon jetzt realisiert wird), ist es, dass der Einzelne (Schüler) mehr mitgestalten und mitentscheiden kann und es mehr Raum für Selbstbildung gibt. Theatergruppen wie machina eX oder Pulk Fiktion (u.a.) arbeiten mit Theaterformaten, die den Einzelnen (Zuschauer, Teilnehmer) mitgestalten und mitentscheiden lassen.

 

Anna Eitzeroth, Mitarbeiterin des KJTZ

 

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