„Rollenfreiheit“ – Gastbeitrag von Jana Duttmann

Der folgende Gastbeitrag von Jana Duttmann ist ein Auszug aus ihrer Bachelorarbeit Theaterpädagogik mit Kindern und die geschlechtliche Identität. „Drama Quing“. Eine qualitative Forschung des 6. Deutsche-Kinder-Theater-Festes 2014.

„Der Bereich Theater mit Kindern bietet die Möglichkeit, sich mit der eigenen und anderen vielseitigen Identitäten auseinanderzusetzen. Alles, was vorstellbar ist, kann im Theater ausprobiert und performt werden. Dabei stehen in der theaterpädagogischen Arbeit folgende Aspekte im Fokus: Selbstwahrnehmung, eigene Fantasie in körperlichen Ausdruck umzusetzen, darzustellen und schließlich mit Körper, Körperhaltung und Bewegung bewusst umgehen zu können. Diese Erfahrungen sind auch immer im Zusammenhang mit der geschlechtlichen Identität zu sehen.

Anhand meiner qualitativen Forschung „Drama Quing“ zu den Themen Theaterpädagogik mit Kindern und geschlechtliche Identität, werde ich kurz wichtige Aspekte zum Thema qualitativ hochwertige theaterpädagogische Arbeit im Hinblick auf geschlechtliche Identität darstellen.

Ich betrachtete in der Forschung die Inszenierungen des 6. Deutschen-Kinder-Theater-Festes 2014, in denen deutlich wurde, dass die Rollen Handlungen vollziehen, welche einerseits aus dem geschlechtlichen Erfahrungsraum der Gesellschaft stammen. Andererseits traten Rollen in das Blickfeld, welche nicht im Rahmen des binären Systems auftreten. Diese Rollen wurden bewusst herausgearbeitet und stellen eigene geschlechtliche Kreationen dar, die sich durch Zweideutigkeiten und Irritation in Bezug auf die Zuordnung der geschlechtliche Identität, auszeichnen.

Ich möchte darauf verweisen, dass die Auseinandersetzung mit vielseitigen geschlechtlichen Identität, nur mit qualitativ hochwertiger theaterpädagogischer Arbeit möglich ist. Gerd Taube beschreibt, dass die Qualität der Aus- und Weiterbildung für das Theater mit Kindern eine Notwendigkeit darstellt, um hochwertige theaterpädagogische Arbeit mit Kindern leisten zu können. Diese Hochwertigkeit zeichnet sich unter anderem durch die Zusammenarbeit zwischen Kind und Theaterpädagog_in aus. Der pädagogisch-partizipative Anspruch ist hier elementar. Denn durch das Mitwirken der Kinder kann sich die Persönlichkeit entfalten. Wenn sich Persönlichkeit entfaltet, sind darin auch die geschlechtlichen Identitäten inbegriffen. Die Rollenfindung und das eigenständige Entwickeln von Ausdrucksformen ist elementar für die Arbeit, die es zu unterstützen gilt. Die Reflektivität des/der Theaterpädagog_in mit dem Bewusstsein darüber selber im zweigeschlechtlichen System zu leben, stellt die Grundlage für die Sicherung der Qualität dar. Es muss weiter in der theaterpädagogischen Arbeit die Verschränkung von sozialer Herkunft, dem Alter und Rassismuserfahrungen, mit der Konstruktion von „Geschlecht“ und Begehren in der Gesamtsituation mitbedacht werden.

Letztendlich ist das Ziel, allen Kindern die Möglichkeit zu bieten, individuelle Geschlechterpräsentationen zu zeigen und diese frei entwickeln zu können.“


Jana Duttmann Jana Duttmann, 24 Jahre, studiert nach ihrem Bachelor in „Elementare Pädagogik“ an der Evangelischen Hochschule Berlin die Master „Praxisforschung in Sozialer Arbeit und Pädagogik“ an der ASH Berlin und „Tanzwissenschaft“ an der FU Berlin.

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(Auf die Fußnoten in der Originalfassung der Bachelorarbeit wurde zugunsten der besseren Lesbarkeit verzichtet. Die Quellen, auf die sich die Autorin bezieht, können als PDF-Datei heruntergeladen werden. Quellen-Nachweis)

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