„Genderdiskurse im Theater für junges Publikum“

ist das Thema des neuen IXYPSILONZETT – Magazin für Kinder- und Jugendtheater.

Petra Fischer, Leiterin des Jungen Schauspielhauses Zürich und Vorstand der ASSITEJ Schweiz schreibt im Editorial:

„Will Theater mit gesellschaftlicher Wirklichkeit spielen, indem es Realitäten hinterfragt und andere als die bekannten Optionen erprobt, gehören also Fragen der geschlechtsspezifischen Rollenbilder und deren Verankerung im Alltag zwingend dazu.“

So fordert auch Dr. Melanie Hinz, Professorin für „Bildende und performative Künste in der Kulturarbeit“ an der FH Dortmund und Mitglied der Frl. Wunder AG:

„Wenn Geschlechtsidentität kein biologisches Schicksal ist, sondern eine Frage der Performance, dann ist das Theater der ideale Probe- und Schutzraum für ‚kritische Verhandlungen‘, ‚Subversionen von Normen‘ und ‚Entwürfen von andersartigen Geschlechter- und Identitätskonzeptionen‘.“

Deshalb sei es notwendig, sich nicht nur darüber zu empören, welche Körper- und Weiblichkeitsbilder von Germany’s Next Topmodel transportiert würden, sondern auch die herrschenden Schönheits-, Identitäts- und Körperbilder am Theater anzusprechen, meint Hinz in ihrem Beitrag „Alles eine Frage der Performance?“

„Woher kommt der Frauenschwund?“ fragt Sarah Ostertag, Hausregisseurin am Staatstheater Mainz und künstlerische Leiterin des Kollektivs makemake produktionen: Während Frauen bei den theaterorientierten Studienabschlüssen einen Anteil von 80 Prozent stellten, läge ihr Anteil bei den leitenden Funktionen nur bei 14 Prozent.

In Ihrem Beitrag „Ein Mädchen würde so etwas nie sagen“ schreibt die Dramaturgin Maja Bagat über Sexualität und Gender im zeitgenössischen Jugendtheater und fordert Lehrer auf, mit Ihren SchülerInnen Inszenierungen zu schauen, die außerhalb des klassischen Kanons lägen.

Wie junge Theaterautoren mit „tief verankerten heteronormativen Werten“ umgehen, zeigt die Kulturwissenschaftlerin Camilla Schlie am Beispiel des Autors Jan Friedrich. Bewusst und dennoch beiläufig trügen in Friedrichs Stücken die Figuren ihre Geschlechterrollen, er zeige ein Identitätsverständnis, das dem Flüchtigen und Prozesshaften Rechnung trage. (Camilla Schlie: „Stell dir vor, wir lassen alles zurück“)

Wie haben Studierende bei den Aufführungen von Augenblick mal! 2015 die Verhandlung der Genderaspekte erfahren? Danach fragt Prof. Dr. Geesche Wartemann vom Institut für Medien, Theater und Populäre Kultur an der Universität Hildesheim. Positiv erlebten die Beobachter das Spiel mit Rollenbildern beim Stück „Ein Bodybild“, kritisch beurteilten sie hingegen das Stück „Steh deinen Mann“, da es Klischees reproduziere. („Klassische Rollenbilder unterlaufen“ – Geesche Wartemann im Gespräch mit Simon Niemann und Isabel Schwenk)

Weitere Beiträge im neuen IXYPSILONZETT sind „Genderfragen im zeitgenössischen Tanz“ von Mareike Uhl, „Choreografische Zukunftsvisionen bei „Augenblick mal! 2015“ von Christine Matschke, die Reden zum 50. Geburtstag der ASSITEJ und ein Beitrag von Lisa Zehetner über „Künstlerische Vermittlung am Forum Freies Theater Düsseldorf“.

Das Heft kann hier bestellt werden: KLICK.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s