Franziska Finke: „Zum ersten Mal beim Frankfurter Autorenforum“

„So viele neue Gesichter. Und noch dazu so viele Namen, die ich mir, im allerbesten Fall auch passend zu den Gesichtern, ebenfalls merke. Und natürlich die Institutionen, an denen die Gesichter arbeiten, die sowieso, klar. Schließlich will ich wissen, wer wo wie als was mit wem woran wie lange weshalb schon arbeitet. Und wer neu dazu gekommen ist. So wie ich. Neben mir entdecke ich noch ein paar weitere Neulinge, die ebenfalls zum ersten Mal in die Welt des Frankfurter Autorenforums eintauchen. Gemäß dem Motto „Fördern was gebraucht wird: Theater zum Wachsen“, gab es in den drei Tagen des Forums viel Wachstumsförderndes zu entdecken und zu diskutieren.

In diesem Sinne ging es insbesondere darum, neue Stücke für das Kinder- und Jugendtheater und ihre Autoren kennenzulernen. Den Anfang machte der Autor Finn-Ole Heinrich, der uns unter anderem einen Text über einen Jungen präsentierte, der sein ganzes Leben lang einen Helm auf dem Kopf tragen möchte, am liebsten bis weit nach seinem Tod.

Die sehr liebevoll gestalteten szenischen Lesungen von Ensemblemitgliedern des LTT Tübingen ermöglichten anschließend einen ersten Einblick in die Stücke der für den Deutschen Kinder-/ Jugendtheaterpreis 2014 nominierten Autoren. Während der Podiumsgespräche mit den Autoren wurde vor allem eines deutlich; Das junge Publikum und seine Belange liegen all diesen Autoren wirklich am Herzen, ganz egal, wie lange sie nun schon dabei sind.

Ein Highlight war die anschließende Preisverleihung im Frankfurter Römer (im Kaisersaal wohl bemerkt!).
Hier ließ es sich auch Peter Feldmann, Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt, nicht nehmen, die Preisträger Jens Raschke sowie David Greig und Barbara Christ persönlich zu beglückwünschen. Für die Nominierten war die spannungsgeladene Abendmoderation von Martin Baltscheit vermutlich recht nervenaufreibend, für jene, die nicht um einen Preis zittern mussten, war sie jedoch sehr unterhaltsam.

Spannend waren auch die Tischgespräche mit den nominierten und den Preisträgern am Folgetag, die einen umfassenderen Einblick in das künstlerische Schaffen und in die Berufspraxis ermöglichten. Und natürlich die szenischen Lesungen im Rahmen des Theatre Cafés, gestaltet von Ensemblemitgliedern des Grips Theaters, in denen es internationale Autoren und ihre neuesten Stücke kennenzulernen galt.

Vor der Heimreise dann noch ein letzter Boxenstopp: Präsentiert wurden die Texte der Autoren, die mit dem Stipendium zum Deutschen Kindertheaterpreis 2014 ausgezeichnet wurden und die es in voller Länge im Rahmen des Boxenstopp Festivals in Leipzig im Februar 2015 zu entdecken gilt. Das Forum wurde so zu einem jener Orte, an denen man sich in angenehmer Atmosphäre begegnen und ungezwungen miteinander über Chancen, Wünsche, Gefahren und Perspektiven des Theaters diskutieren kann.

Beeindruckt war ich aber vor allem von der Geschichte der Gründung des Kinder- und Jugendtheaterzentrums in Frankfurt. In der kleinen Feierstunde zum 25jährigen Bestehen in den Räumlichkeiten des Zentrums gab es einen Einblick in die Entstehung einer Institution, die ich heute nahezu als selbstverständlich wahrnehme. Doch, und das wurde anhand vieler kleiner Anekdoten der Gründungsmitglieder sehr deutlich, das war sie ganz und gar nicht immer. Vor 25 Jahren gab es eine, beeindruckend kleine, Gruppe sehr engagierter Theatermenschen, die sich für das Kinder- und Jugendtheater stark gemacht hat, die sich nicht einfach zufrieden gab mit politischen Entscheidungen, sondern für eine Sache kämpfte, an deren Wichtigkeit und Bedeutung für unsere Gesellschaft sie bis heute glaubt. Zu erfahren, dass auch Einzelne in der Gesellschaft etwas bewegen und verändern können und dadurch eine heute so wichtige Institution wie das KJTZ entstehen kann, spricht sehr dafür, dass jeder von uns seine oder ihre Stimme sinnvoll einsetzen und unsere Gesellschaft entscheidend mitgestalten und verändern kann.
Als Fazit würde ich daher festhalten, dass es sich lohnt, sich für das Kinder-und Jugendtheater stark zu machen, es zu fördern und zu fordern, es mit neuen Impulsen zu konfrontieren und den ständigen Wandel zu unterstützen und das Bestehen weiterhin zu beschützen.

Und dass es sich definitiv gelohnt hat, das komplette Programm des Frankfurter Autorenforums zu besuchen, auch wenn man dafür unter Umständen sehr früh das warme Hotelbett verlassen musste. Für mich eine gelungene Veranstaltung, die viele Impulse gegeben und Lust auf die weitere Arbeit gemacht hat!

Franziska Finke (Foto: Tom Pingel)

Franziska Finke (Foto: Tom Pingel)

Franziska Finke studierte in Wien und Hamburg, 2013 Bachelor of Arts in Finnougristik/Uralistik, Germanistik an der Uni Hamburg. Sie hat in diversen Theaterproduktionen und Lesungen als Autorin und Dramaturgin mitgewirkt. Erste Kontaktaufnahme mit dem JES als Gastdramaturgin während der Freispielzeit und Mitarbeit im Organisationsteam des Festivals „Schöne Aussicht 2014“. Ab der Spielzeit 2014/15 arbeitet sie als Dramaturgin am JES.

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