Dr. Gerd Taube wird Honorarprofessor

„Ziel muss sein, im strukturellen Machtgefüge der generationalen Ordnung der Perspektive des Kindes Raum zu geben und sie zur Geltung zu bringen.“ (Gerd Taube)

Die Goethe-Universität in Frankfurt am Main hat gestern dem Leiter des KJTZ Dr. Gerd Taube den akademischen Titel eines Honorarprofessors verliehen. Die Ernennung wurde vom Fachbereich Neuere Philologien und dem Institut für Jugendbuchforschung, an dem Gerd Taube seit 1997 Lehrbeauftragter ist, initiiert.

Neben der Dekanin des Fachbereichs Neuere Philologien Prof. Cecilia Poletto, die die Urkunde überreichte, und dem Direktor des Instituts für Jugendbuchforschung Prof. Dr. Hans-Heino Ewers, nahmen auch die Kollegen vom Kinder- und Jugendtheaterzentrum und weitere Wegbegleiter an der Verleihung und dem anschließenden öffentlichen Vortrag teil. Unter dem Titel „Das Kindheitsbild als eine Leitkategorie der Interpretation von Texten des Kindertheaters“ erläuterte Gerd Taube den Kindheitsdiskurs des zeitgenössischen Kindertheaters.

In Anlehnung an den Begriff „kritische Kindheitsdichter“ (Hans-Heino Ewers) als Autorentyp der Kinderliteratur, definierte Taube in seinem Vortrag für das Kindertheater den „kritischen Kindheitskünstler“, der den Anspruch habe, Anwalt der Zuschauer zu sein und Verantwortung für die Rechte der Kinder zu übernehmen. Dabei verstehe er sich nicht in erster Linie als Anwalt der Zukunft, sondern der Gegenwart der Kinder:

„Der kritische Kindheitskünstler des Kindertheaters versteht sein Publikum als Partner und bietet ihm Räume und Anlässe, selbstbestimmt zu urteilen und zu handeln. Das Kind oder der Jugendliche sind mündige Zuschauer, wenn sie unabhängig von den Zielvorstellungen der sie begleitenden Eltern, Lehrer oder Erzieher und ohne Gebrauchsanweisung für die Theaterkunst, selbst über die Bedeutung des Gezeigten und den Sinn für das eigene Leben entscheiden dürfen.“

Die Tatsache, dass sich die Lebenswirklichkeit von Kindern und Jugendlichen stetig wandele, stelle die kritischen Kindheitskünstlers des Kindertheaters vor die Herausforderung, ihre künstlerische Haltung zur gesellschaftlichen Realität ihrer Zuschauer fortwährend zu reflektieren. Während in den späten 1960er Jahren das Kindertheater utopische Gegenentwürfe zur empirischen Kindheit entwarf, zeigte es in den 80ern eher psychologischen Stücke, in denen die Bewusstseinsvorgänge, Gedanken und Emotionen der kindlichen Helden im Mittelpunkt standen. Die nächste Dekade habe die Generationengleichheit postuliert, die Stücke hätten auf die emotionale Empathie der Zuschauer und nicht auf gesellschaftliche oder psychologische Aktivierung gezielt.

Welches Kindheitsbild aber prägt das aktuelle Kindertheater? In den Stücken junger Theaterautoren falle die Abwesenheit der Erwachsenen auf. Diese Generation kritischer Kindheitsautoren arbeite sich an den Grenzen erwachsenenzentrierter Kindheitsbilder ab und betone den kulturellen Eigenwert der Sozialisationsaufgabe Kindheit. In den neuen Stücken sollen Kinder nicht die Welt verändern oder die Erwachsenen erlösen, gezeigt werde, wie die Kindern lernten, mit der Welt klarzukommen.

Gerd Taube schloss seinen interessanten Vortrag mit der Frage: Welche Eigenarten von Kunst und welche Haltung der Künstler können Theateraufführungen, Kinderbuchlektüre, Kinderhörspiele, Kinderfilme oder Computerspiele zu tatsächlichen Freiräumen kindlicher Sozialisation machen?

Prof. Dr. Hans-Heino Ewers, Prof. Dr. Gerd Taube, Prof. Cecilia Poletto

Prof. Dr. Hans-Heino Ewers, Prof. Dr. Gerd Taube, Prof. Cecilia Poletto

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Zur Presseerklärung der Goethe-Universität: „Honorarprofessur im Bereich Jugendbuchforschung“

Die Bundesvereinigung Kulturelle Bildung, deren Vorsitzender Gerd Taube ist, hat ebenfalls eine Presseinformation herausgegeben: Honorarprofessur für den BKJ-Vorsitzenden Dr. Gerd Taube

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