Qualität fordern und fördern

Es war während der Frankfurter Buchmesse 2011. Drei Kinderbuchautoren lasen im Lesezelt aus ihren neuen Büchern. Andreas Steinhöfel stellte „Rico, Oskar und der Diebstahlstein“ vor. Nach der eigentlich harmlosen Frage der Moderatorin, ob es nach dem dritten einen weiteren Band über diese Geschichte einer Freundschaft geben würde, redete sich Steinhöfel in Rage.

Die Geschichte sei auserzählt und die Aussicht auf ein sicheres Einkommen für ihn kein Grund, die Ansprüche seiner LeserInnen auf Qualität zu enttäuschen. Dieser deutliche Seitenhieb ging zulasten der Autorin, die den 161. Band der Drei Fragezeichen geschrieben hatte und an diesem Nachmittag mit Steinhöfel auf dem Podium saß. Qualität und nicht Unterhaltung nach dem Baukaustenprinzip, forderte Steinhöfel für das junge Publikum. Diese Szene fiel mir wieder ein, als ich begann mich intensiver mit Texten über das Kinder- und Jugendtheater zu beschäftigen.

“Kleinen Kindern muss man große Kunst bieten. Wer große Kunst nicht zu meistern versteht, kann nicht im Kindertheater arbeiten. (…) Man darf den Kindern eine Aufführung nur dann bieten, wenn wirkliche, erwachsene Kunstkenner sie für tatsächlich künstlerisch wertvoll halten”, zitiert Annett Israel in „Kindertheater Jugendtheater – Perspektiven einer Theatersparte“ die russische Kinder- und Musiktheater-Regisseurin Natalja Saz, die das erste professionelle Kindertheater der Welt gründete.

„Wir fordern Qualität, das Kinder- und Jugendtheaterzentrum in der Bundesrepublik Deutschland fördert Qualität“, sagte Wolfgang Schneider bei der Verleihung des Deutschen Kindertheaterpreises und des Deutschen Jugendtheaterpreises 2010 in Frankfurt. Schneider, der das Zentrum von 1989 bis 1997 leitete und heute Direktor des Instituts für Kulturpolitik der Universität Hildesheim ist, las an diesem Dezemberabend der Frankfurter Lokalpolitik die Leviten: „Liebe Frau Stadträtin, (…) nehmen Sie mal wahr, welche Billiganbieter in den Schulen Ihrer Stadt sich anschicken, den Geschmack einer ganzen Generation zu verderben. Das ist Gift für Hirn und Gemüt, denen gehört schnellstens das ungenügende Handwerk gelegt.“

Kinder- und Jugendtheater als Kunst öffentlich sichtbar zu machen, Anlässe und Gelegenheiten zu bieten, die künstlerische Qualität des Kinder- und Jugendtheaters zu diskutieren und Wege zur Entwicklung seiner Ästhetik zu reflektieren – dies nennt das Zentrum als 1. Ziel seiner Arbeit. Von den Projekten, Veranstaltungen und Fördermaßnahmen, mit denen es dieses Ziel erreicht, wird dieses Blog in den kommenden 12 Monaten berichten.

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