KinderStücke 2019: Ein schöner Erfolg für „Nah dran! Neue Stücke für das Kindertheater“

von Henning Fangauf


Nun ist sie getroffen, die Entscheidung für die diesjährigen KinderStücke kinderstuecke mülheimder Mülheimer Theatertage NRW. Vor wenigen Tagen gab das Auswahlgremium mit Oliver Bukowski, Dr. Thomas Irmer und Werner Mink seine Entscheidung bekannt und nominierte fünf neue Autor*innenstücke für das Kindertheater und deren Uraufführungen. Vom 13. bis 17. Mai werden die Inszenierungen in Mülheim gezeigt und stellen sich dem renommierten Wettbewerb um den Mülheimer KinderStücke-Preis 2019.

Für unser Projekt Nah dran! Neue Stücke für das Kindertheater ist die diesjährige Auswahl erneute eine schöne Bestätigung. Denn drei der fünf ausgewählten Stücke entstanden durch die vom KJTZ und dem Deutschen Literaturfonds vergebene Förderung. Besser kann Qualität und Resonanz des Projektes nicht bewiesen werden. Wir freuen uns mit ‚unseren‘ Autor*innen Katja Hensel, Kristo Šagor und Oliver Schmaering – und gratulieren allen für Mülheim nominierten Autor*innen und den Bühnen, die das Wagnis der Uraufführung eingegangen sind und nun diesen Erfolg verzeichnen können.


Henning Fangauf (Hofheim am Taunus) arbeitet freiberuflich als Lektor und Dramaturg. Von 1996 bis 2018 war er stellvertretender Leiter des Kinder- und Jugendtheaterzentrums in der Bundesrepublik Deutschland. Er leitet weiterhin das Projekt Nah dran! Neue Stücke für das Kindertheater.

Henning Fangauf
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„We finally declare our interdependence“

Mit diesem Verweis auf Diane Ragsdale brachte Katja Spieß (FITZ! Zentrum für Figurentheater Stuttgart) die Diskussionen im Beirat Theater und Tanz des Goethe Instituts am vergangenen Montag auf den Punkt.

„Ökologie und Nachhaltigkeit“, „Kulturen der Gleichberechtigung“ und „Wie kommt das Neue in die Welt?“ sind die drei Schwerpunktthemen, die sich das Goethe-Institut für die nächsten Jahre (2019 – 2022) vorgenommen hat. Nun gilt es zu fragen, wie die einzelnen Bereiche zur Debatte rund um diese Themen beitragen können, wenn 159 Institute in aller Welt die Perspektiven ihrer Partner vor Ort in einen Austausch mit Künstler*innen aus Deutschland bringen.

Die Fülle der Themen und Aktivitäten des Goethe-Instituts werden in den Berichten des Präsidenten und des Generalsekretärs überdeutlich und der Bereich „Theater und Tanz“ in der Münchener Zentrale macht greifbar, wie die Impulse vor Ort umgesetzt werden und welche Rolle die Institute nicht nur als Partner, sondern auch als Orte, z.B. jenseits einer staatlichen Zensur, spielen.

Der Beirat gewährt den Blick in die Praxis und in aktuelle Diskussionen. Er fragt aber auch nach den Verbindungslinien zwischen den Bereichen innerhalb der Institution, fragt nach, wie er als Gremium für den Fachbereich produktiv sein kann. Und tatsächlich geht es zum Einen um die großen Themen und zum Anderen um konkrete Ideen, die von der Umgestaltung von Gremiensitzungen, über Frauenquoten und die Mittel für den Internationalen Koproduktionsfonds bis zu Kindern und Jugendlichen als Partner bei der Suche nach neuen Erzählungen für das digitale Zeitalter reichen.

Interdependenz anerkennen, Innehalten wagen, Agency ernst nehmen, Komplexität nicht aufgeben und darin dennoch Verortung ermöglichen. Das wäre ein mögliches Fazit des Tages. Deutlich wurde, dass die Darstellenden Künste für junges Publikum hier eine zentrale Rolle spielen können. Weil (und nur wenn) sie ihr Publikum ernst nehmen als junge Menschen, als gleichberechtigte Mitglieder unserer Gesellschaft, die im Jetzt eine Zukunft denken und gestalten und dabei ebenfalls Antworten auf die großen Fragen suchen.

 

„Augenblick mal!“-Vorverkauf für Fachbesucher*innen startet

von Annett Israel


Augenblick mal! 2019 zeigt zehn nationale und drei internationalen Gastspiele: Der Vorverkauf  für Fachbesucher*innen beginnt heute, der freie Kartenvorverkauf startet am 25. Februar 2019!

Das Programm für das Festival des Theaters für junges Publikum in Berlin ist nun mit Weballen Gastspielen aus dem nationalen und internationalen Programm und einigen Daten und Uhrzeiten für das Rahmenprogramm online. Schaut rein, kommt nach Berlin und feiert mit uns!

2019 erwarten euch im Rahmenprogramm des Festivals ganz unterschiedlichste Dialogformen und Gesprächsangebote:
Bei Face it! könnt ihr täglich von 12:30 bis 14:30 eure Erfahrungen mit den gesehenen Gastspielen in verschiedenen experimentellen Nachgesprächsformaten austauschen. Sie basieren u.a. auf dem im November 2018 erschienenen Handbuch Zwischen Publikum und Bühne. Vermittlungsformate für die freien darstellenden Künste, veröffentlicht vom Performing Arts Programm Berlin mit den Künstler*innen, die sie erfunden und erprobt haben. Daneben kann man auch ein Gesprächsangebot nutzen.

Mit den nationalen Kurator*innen kommt ihr u.a. bei Face to face: meet the Curators am Eröffnungsabend und am Sonntagmorgen ins Gespräch. Die Kurator*innen fürs internationale Gastspiel-Programm geben bei Facing East Auskunft über die kultur-politische Situation in ihrem Land und über Mut, Leidenschaft und Widerständigkeit beim Theaterspielen für junges Publikum in Russland, Ungarn und Polen.

Zwei Fortbildungen laden angehende Erzieher*innen und Lehrer*innen auf ungewöhnliche Erkenntniswege ein; an den Berliner Partnertheatern GRIPS, STRAHL und am Festivalzentrum an der PARKAUE wird das junge Publikums mit einem umfangreichen Programm zur Beteiligung eingeladen. Fachbesucher*innen sind ausdrücklich willkommen!

Website und Facebook werden mit Informationen und Texten zum Rahmenprogramm weiter befüttert: Immer wieder mal reinschauen lohnt sich!

Und jetzt? Karten sichern!
Auf bald dann in Berlin!

 

„Kinder- und Jugendliteratur aktuell“, Band 9 erschienen: Anja Tuckermann

von Henning Fangauf


Die Klage ist altbekannt: an unseren Schulen, im Deutschunterricht spielt die aktuelle Kinder- und Jugendliteratur kaum eine Rolle. Ob Prosa, Drama, Lyrik, die Werke der zeitgenössischen Autorinnen und Autoren werden nicht vermittelt und sind den Schüler*innen weitgehend unbekannt. Der Literaturkanon scheint seit Jahrzehnten festgeschrieben.

Wer der aktuellen Kinder- und Jugendliteratur zu mehr Relevanz im Deutschunterricht verhelfen will, setzt bei der Ausbildung zukünftiger Lehrer*innen an. Das geschieht noch deutlich zu wenig, aber bereits an einigen Hochschulen, angeregt durch Professor*innen, die diese Literatur nicht nur als Gegenstand für die Erforschung der Poetologie der Autor*innen zu würdigen wissen, sondern auch ihre didaktische Relevanz erkannt haben und diese vermitteln. So ist ein kleines Netzwerk der Kinder- und Jugendliteratur-Lehrenden von Oldenburg bis Heidelberg, von Bielefeld bis Paderborn entstanden. Sie alle setzen auf die Einbindung der Autor*innen in die Lehre und schufen Begegnungsformate wie die Paderborner Kinderliteraturtage, Heidelberger Literaturgespräche, Oldenburger Poetikvorlesungen oder den Bielefelder Poet in Residence. Die Student*innen hatten bisher dank dieser Veranstaltungsreihen Gelegenheit, sich mit den Werken von so renommierten Autor*innen wie Kirsten Boje, Klaus Kordon, Martin Baltscheit, Paul Maar, Andreas Steinhöfel und anderen intensiv auseinanderzusetzen und ihnen persönlich zu begegnen. Dass diese Aktivitäten, die seit 2012 regelmäßig im Rahmen des Netzwerkes stattfinden, auch dokumentiert werden, ist ein besonderer Verdienst der Initiatorinnen.

In der Publikationsreihe Kinder- und Jugendliteratur aktuell im kopaed Verlag München lassen sich die Gespräche mit den Autor*innen, Ihre Impulsreferate und weitere Artikel, die sich wissenschaftlich und essayistisch mit den Werken auseinandersetzen, nachlesen.
2-19_Cover_Tuckermann_groAufloesung2017 war die Berliner Autorin Anja Tuckermann (Berlin) Bielefelder Poet in Residence und 2018 war sie Gast der Paderborner Kinderliteraturtage.  Als Ergebnis ihrer Lehrtätigkeiten und den Begegnungen mit den Student*innen ist nun Band 9 von Kinder- und Jugendliteratur aktuell erschienen, herausgegeben von Petra Josting und Iris Kruse. Auf 400 Seiten wird das Werk der Berliner Autorin, die literarisch, essayistisch und journalistisch aktiv ist wie kaum eine andere, umfangreich untersucht und gewürdigt.
Im Klappentext heißt es:

Anja Tuckermann spricht in ihren Texten für Jugendliche vieles an, das dringend aus dem Schweigen gehoben werden muss. Von besonderer Bedeutung sind ihre erinnerungskulturell bedeutsamen Romane Muscha (1994), Denk nicht, wir bleiben hier (2005) und Mano (2008), in denen sie sich mit den NS-Verbrechen an den Sinti und Roma befasst. Junge Leser*innen werden von ihr mit gleichaltrigen Protagonist*innen konfrontiert, die in ihrem Alltag mit vielfältigen Problemen zu kämpfen haben, ohne daran zu verzweifeln oder gar zu zerbrechen. Das breite Inhaltsspektrum von Anja Tuckermanns Romanen, Erzählungen, Theaterstücken und Lyrik verbindet sich mit einem auf ein kooperatives und erfüllendes Miteinander gerichteten problemorientiert-realistischen Schreiben.

So umfangreich ist selten das Werk einer Autorin der Kinder- und Jugendliteratur dargestellt und analysiert worden. In sechzehn Artikeln werden u.a. die Dokumentarischen Fiktionen, die Interkulturellen Begegnungen, die Adoleszenzgeschichten, die Realistisch-problemorientierten Kinderliteratur in Anja Tuckermanns Werk untersucht. Ein Beitrag, verfasst vom Autor dieser Blog-Zeilen, widmet sich der Dramatikerin Anja Tuckermann und beschreibt ihre Stücke, von denen insgesamt dreizehn vorliegen und vom Theaterverlag Felix Bloch Erben vertreten werden.


Henning Fangauf (Hofheim am Taunus) arbeitet freiberuflich als Lektor und Dramaturg. Von 1996 bis 2018 war er stellvertretender Leiter des Kinder- und Jugendtheaterzentrums in der Bundesrepublik Deutschland. Er leitet weiterhin das Projekt Nah dran! Neue Stücke für das Kindertheater.

 

Heimat wird wichtig, wenn man zu wenig davon hat

von Charlotte Kösters


Braunschweig, 25. Januar 2019:

Über Heimat mache ich mir selten Gedanken. Noch seltener über meine Heimat. Der Wege ins Theater-Fachtag MAKING HEIMAT, der heute am Staatstheater Braunschweig stattfindet, lädt zu einer Auseinandersetzung mit Heimat ein. Wir sind eine Gruppe von ca. 30 Menschen. Wie die meisten von uns habe ich einen Gegenstand dabei – etwas mitbringen, das ich mit (meiner) Heimat verbinde, so die Aufforderung im Vorhinein dieser Veranstaltung. Ich frage mich nach dem richtigen Zeitpunkt, meinen Gegenstand (wo überhaupt?) zu platzieren. Es ist ja ein Stück von mir, das ich offenbare (egal ob ich es Heimat nenne oder nicht). Wie angebracht ist es eigentlich, Biografisches zu besprechen, gar zur Schau zu stellen, wenn es um Heimat geht?

Wir werden von der Generalintendantin des Hauses, Dagmar Schlingmann, und dem Leiter des Jungen Staatstheaters, Jörg Wesemüller, herzlich begrüßt. Es folgt ein inhaltlicher Auftakt von Rebecca Hohmann, die sich sowohl in ihrer Funktion als Vorstandsmitglied der ASSITEJ als auch als künstlerische Leiterin des Moks Bremen für Wege ins Theater ausspricht und das Potenzial des Förderprogramms betont. Unser heutiges Anliegen – MAKING HEIMAT – entstammt nicht zuletzt der Tatsache, dass das frisch erschienene Jahrbuch der ASSITEJ nach Heimat fragt: „Heimat-Pflege als Theater-Programm?“ Rebecca Hohmann stellt heraus, dass es sowohl im Jahrbuch als auch bei Wege ins Theater um die Positionierung des Theaters in der Gesellschaft geht.

Von Annalena Küspert und Ines Wuttke, denen der heutige Tag seine ebenso liebevolle wie lebendige Rahmung verdankt, werden wir dazu aufgefordert, kleine Gedichte über unsere Gegenstände zu schreiben. Um sich im ersten Schritt selbst im Thema Heimat zu verorten, so heißt es. Ein Versuch, Heimat zu benennen. Nicht ganz ernsthaft, aber doch andächtig verfasse ich ein Haiku über den von mir mitgebrachten Tacker (!). Er ist rund und gelb mit Smiley-Motiv (der ganz einfache lächelnde Smiley, aus einer Zeit vor Emoticons) und wertet die Pop-up-Installation, in der unsere Gegenstände und Gedichte im Anschluss gesammelt präsentiert werden, für mich optisch wie emotional deutlich auf (Zwinkersmiley). Mein liebstes Haiku aus der Kollektion beschäftigt sich allerdings mit einem anderen Gegenstand – es heißt „Ohne kalte Füße“ und geht so:

Waltrauds Socken. Warm.
Extra für mich gestrickte.
Egal wo. Meine.

Wir sind individualistisch geprägt und daran gewöhnt, über uns selbst zu reflektieren, in wie auch immer gearteten Schaffensprozessen das Eigene als Ausgangspunkt zu nehmen, um nicht zu sagen: zu verwenden. Ist das okay oder drehen wir uns dabei zu sehr um uns selbst anstatt um ‚wirkliche Themen‘? Wird das der Komplexität der Welt gerecht? Meine Erkenntnis heute: Es ist okay! Denn es hilft uns Zugang zu Themen zu finden. So bestätigt es auch die mit zwei Mitgliedern und Wohnwagen (!) angereiste Fräulein Wunder AG. Ihr Bericht aus konkreten Wege ins Theater-Projekten zeigt, dass die Ansprache von Kindern und Jugendlichen hierüber funktionieren kann: über das Eigene ins Gespräch kommen, sich infolgedessen für Beziehungen und – das ist uns wichtig – für künstlerisch-ästhetische Prozesse öffnen. Zum Inventar des auf dem Theatervorplatz gelungen platzierten Wohnwagens gehören Riechproben, anhand derer die Fräulein Wunder AG später am Tag Entscheidendes bewirkt: Wir riechen an Essig, Schokolade etc. und assoziieren (schau an, manche von uns können Heimat riechen!)… und über unsere eigenen Geschichten nähern wir uns sowohl einander als auch dem Heimatthema an. Aus einem zutiefst menschlichen Mitteilungsbedürfnis heraus lernen wir uns kennen und machen gemeinsam Heimat.

Ich stelle fest, nicht allein zu sein mit Fragen wie: Wem gehört Heimat? Wie viele Heimaten sind normal? Wie groß ist Heimat? Wie lange dauert Heimat? Wie wichtig ist Heimat?

Für mich ist Heimat nicht so wichtig. Vermutlich weil ich auf eine Weise gut genug damit ausgestattet bin. Ich kann mir sogar Wahlheimaten leisten, und davon mehrere, analog und digital. Mit Heimat verhält es sich unter Umständen wie mit Geld: Es wird erst wichtig, wenn man zu wenig davon hat.

Mit Kultur macht stark und konkret Wege ins Theater sprechen wir Zielgruppen an, die wenig haben. Wenig Geld oder Bildung und vielleicht wenig Heimat. Die Einblicke in die Projektpraxis, die der heutige Fachtag ermöglicht, zeigen: Wer Wege ins Theater geht, kann unterwegs Heimat finden. Dabei ist nicht erheblich, ob Projekte sich explizit mit dem Thema Heimat beschäftigen, sondern auf welche Weise die beteiligten Akteure aufeinander zugehen und inwieweit die Teilnehmenden Raum für individuelle Heimat(-suche) haben. Während drei verschiedene Projekte ausführlich vorgestellt werden, wird für mich mehr und mehr deutlich: Bei Heimat geht es (wie auch beim Theater!) um den Menschen selbst. Das Menschliche steht im Mittelpunkt.

Durch den Nachmittag werden wir maßgeblich von den Theatermenschen Caroline Eisenträger, Carmen Grünwald-Waack, Iris Kleinschmidt, Michael Kranixfeld, Lea Schreiber und Anne Tysiak geführt (Danke!). An einigen Gedankenimpulsen und Überlegungen, die sich in den Präsentationen und unseren Gesprächsrunden ergeben, hänge ich bis weit nach der Veranstaltung. Darunter: Schade, dass der Name unseres Projektes Wege ins Theater nicht den Wunsch mit abdeckt, dass auch Wege aus dem Theater heraus und drum herum führen mögen. Wir wollen mit Wege ins Theater erreichen, dass Kinder und Jugendliche sich Theater erschließen. Zum Teil verlassen sie dafür ihren Sozialraum – sie bewegen sich. Wie logisch erscheint da der Gedanke, dass auch wir Theatermenschen uns bewegen müssen! Aus dem Theater heraus, ja. Nicht jedoch im Sinne einer räumlichen Erweiterung unserer Theater-Heimat oder ihrer Übertragung auf andere Sozialräume, sondern im Sinne einer Entkoppelung des Heimatbegriffs von Räumlichkeit und Hinführung zu einer Kategorie menschlicher Interaktion, des menschlichen Miteinanders.

Den in den Projekten engagierten Betreuungs- und Bezugspersonen kommt in diesem Zusammenhang eine besondere Verantwortung und Bedeutung zu. Sie bilden nicht nur die Schnittstelle zwischen verschiedenen Sozialräumen alias Heimaten, sondern verkörpern im besten Fall eine Auffassung von Heimat, nach der der einzelne Mensch dem anderen Heimat ist. Heimat kann nur da passieren, wo Menschen sind. Nur über Menschlichkeit können wir aus Heimat eine Perspektive machen.

Und so schließe ich diesen Beitrag mit einem Aufruf: Lasst uns einander Heimat sein!


Charlotte Kösters ist stellvertretende Projektleiterin von Wege ins Theater, das kleine und große Projekte für Theaterentdecker*innen, Theaterspieler*innen und Theatermacher*innen fördert. Rund eine Million Euro stehen in diesem Jahr für Bündnisse vor Ort zur Verfügung. Die nächste Antragsfrist für eine Förderung durch Wege ins Theater endet am 30. April 2019.
Eine Dokumentation des Fachtags wird online zur Verfügung gestellt.

A view inside theatre history: German dramaturg meets Italian student from Pisa University | Ein Einblick in die Theatergeschichte: Eine deutsche Dramaturgin trifft auf italienische Studentin aus Pisa

von Lina-Sophie Schulz und Sara Manzi


January 16, 2019, Berlin Prenzlauer Berg:

Christel Hoffmann, Sara Manzi a master student from Pisa University who came to Berlin to conduct research on Natalja Saz and Lina-Sophie Schulz, who works in her cultural voluntary social year in the project office in Berlin, meet for this interview for which Lina is volunteering to serve as a translator and also to write a short report.

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Sara Manzi with a publication on children’s theatre and a dedication by author Christel Hoffmann

Sara Manzi had already contacted the ASSITEJ (located in Frankfurt am Main) from Italy to ask for material on Natalja Saz. To her surprise, they suggested a meeting with dramaturg and theatre researcher Christel Hoffmann, which was arranged soon after. It was a good chance to meet somebody who did know Natalja Saz personally and also published and researched on her.

The communication between Sara Manzi and Christel Hoffmann was fluent and passionate despite the language barrier: Mrs. Hoffmann brilliantly replied with amazing code-switching between English and German. She took us on a journey through the beginning of children’s and youth theatre without forgetting the historical circumstances that are always crucial in every work of art. She did not just share her knowledge, but also told us interesting anecdotes, like the circumstances of her first meeting with Natalja Saz. Mrs. Hoffmann didn’t hide her happiness on the fact that the Italian student had chosen this topic 100 years after Saz founded the first professional theatre for children in Moscow. She also gave Sara Manzi the permission to record the interview, so that she will be able to listen again and quote Christel Hoffmann’s precious witness testimony in her thesis.

Thank you very much for the intense two-hour conversation and the visit to the Berlin archive of KJTZ!


21.1.19 sara manzi & annett israel im berliner archiv

Sara Manzi and Annett Israel in the KJTZ archive in Berlin, researching on Natalja Saz

16. Januar 2019, Berlin-Prenzlauer Berg:

Christel Hoffmann trifft Sara Manzi, Studentin an der Universität in Pisa, die nach Berlin gekommen ist um zu Natalja Saz zu forschen, und Lina-Sophie Schulz, FSJ-Kultur-Freiwillige im Projektbüro Berlin des KJTZ. Lina ist als Übersetzungsassistentin dabei und fasst hier ihre und Saras Manzis Eindrücke zusammen.

Bereits von Italien aus hatte Sara Manzi die ASSITEJ in Frankfurt kontaktiert. Völlig überraschend wurde ihr dann ein Treffen mit der Dramaturgin und Theaterwissenschaftlerin Christel Hoffmann vorgeschlagen und arrangiert. Eine tolle Chance, jemanden zu treffen, der Natalja Saz noch persönlich kennengelernt und über sie geschrieben hatte.

Trotz der Sprachbarriere zwischen Sara und Christel Hoffmann wurde flüssig und leidenschaftlich miteinander kommuniziert. Frau Hoffmann überraschte mit guten Englischkenntnissen und macht die Dolmetscherin beinahe überflüssig. Sie nahm uns mit auf eine Reise durch die Entstehungsgeschichte des Kinder- und Jugendtheaters in Deutschland und der damaligen Sowjetunion. Dabei ging sie besonders auf die politischen Gegebenheiten zu der damaligen Zeit ein. Sie ließ uns jedoch nicht nur an ihrem Wissen teilhaben, sondern erzählte zudem ein paar Anekdoten, unter anderem die von ihrem ersten Treffen mit Natalja Saz. Christel Hoffmanns Freude über das Interesse einer italienischen Studentin an der nun mehr als hundert Jahren zurückliegenden Gründung des Kinder- und Jugendtheaters in Moskau war kaum zu übersehen. Sie gestattete Sara auch das Gespräch mitzuschneiden, um die kostbaren Zeitzeugenaussagen später richtig zitieren zu können.

Vielen Dank für zwei intensive und sehr gelungene Gesprächsstunden und einen Besuch im Berliner Archiv des KJTZ!

Studie schwarz auf weiß. Und nun? – Das 2. Landesforum der Kinder- und Jugendtheater in Berlin

von Gerd Taube


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Foto: Sophron

23. Januar 2019: Auf der Bühne des GRIPS Theaters im Theatersaal des Podewil Berlin werden der Bühnenaufbau und die Instrumente der Fabelhaften Millibillis von einer großen Leinwand verdeckt. Wo gerade noch freche GRIPS-Lieder das Kinderpublikum begeisterten, werden jetzt am Nachmittag zentrale Ergebnisse der Studie zur Evaluation des Kinder- und Jugendtheaters in Berlin und Schlussfolgerungen daraus präsentiert. Über 60 Akteur*innen aus der Berliner Szene des Kinder- und Jugendtheaters, Künstler*innen, Theaterpädagog*innen und Theaterleiter*innen sowie Vertreter*innen der Berliner Senatsverwaltung und des Abgeordnetenhauses sind zum 2. Landesforum der Kinder- und Jugendtheater in Berlin gekommen, das vom KJTZ in Kooperation mit dem GRIPS Theater, dem Podewil Berlin und der Kulturprojekte Berlin GmbH veranstaltet wurde. Das Interesse der Anwesenden an den Erkenntnissen aus der Evaluation und ihre Erwartungen, dass sich nun etwas verbessern muss an ihrer Situation, sind hoch.

In ihrer Koalitionsvereinbarung für die Legislaturperiode 2016-2021 haben SPD, DIE LINKE und Bündnis 90/Die Grünen in Berlin das kulturpolitische Ziel formuliert, die professionellen Kinder- und Jugendtheater in Berlin durch Erhöhung der Fördermittel zu stärken, um damit eine Verbesserung der Angebote für alle Berliner*innen mit ihren vielfältigen Ansprüchen zu erreichen und Teilhabegerechtigkeit überall in der Stadt zu ermöglichen. Daneben verbinden die Koalitionsparteien mit ihren Anstrengungen zur Stärkung der Kinder- und Jugendtheater auch das förderpolitische Ziel, eine finanzielle Unterstützung zu leisten, die auskömmliche Bezahlung und sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse ermöglicht.

Zur politischen Umsetzung dieser Ziele haben die Regierungsparteien vereinbart, dass zunächst die bestehenden Angebote zu evaluieren und Defizite zu identifizieren sind, um daraus Schlussfolgerungen für die Politik abzuleiten. Seit Anfang 2018 hat das Kinder- und Jugendtheaterzentrum im Auftrag der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa ein Konzept für die Evaluation und Vorschläge für die Umsetzung erarbeitet sowie die Durchführung koordiniert und federführend begleitet. Wir konnten mit Prof. Dr. Dieter Haselbach vom Zentrum für Kulturforschung (ZfKf), Berlin, und Dr. Yvonne Pröbstle von der Agentur Kulturgold, Stuttgart, erfahrene Partner*innen für die Untersuchung gewinnen. Das Berliner ZfKf hat die quantitative Bestandsaufnahme durchgeführt und die Agentur Kulturgold war mit der qualitativen Befragung betraut.

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Foto: Sophron

Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchung, die den Teilnehmer*innen des 2. Landesforums von den beiden Wissenschaftler*innen vorgestellt wurden, bestätigen und untermauern die Beschreibungen der unterschiedlichen Bedarfe in der strukturell äußerst heterogenen Landschaft des Kinder- und Jugendtheaters in Berlin, die bereits im Mai 2018 beim ersten Landesforum als Ausgangspunkte für die Evaluation formuliert wurden.

Es scheint, als wären alle nun „so klug als wie zuvor“. Und auch wenn man die Ergebnisse schwarz auf weiß besitzt und so getrost nach Hause tragen kann, ist mit der in Kürze als Publikation vorliegenden Studie nur ein weiterer Schritt zur Entwicklung von Berlin als Hauptstadt des Kinder- und Jugendtheaters gemacht. Und weitere müssen noch folgen.

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Foto: Sophron

Als nächstes werden sich die Vertreter*innen der Berliner Kinder- und Jugendtheater, die sich im AK Berliner Kinder- und Jugendtheater, dem Runden Tisch Kinder- und Jugendtheater beim LAFT Berlin und der IG Puppe beim LAFT Berlin zusammengeschlossen haben, gemeinsam mit den detaillierten Ergebnissen der Studie auseinandersetzen und daraufhin die Forderungen aus dem Positionspapier 2017 des AK Berliner Kinder- und Jugendtheater in einen konkreten Maßnahmenkatalog zu übersetzen, mit dem politisch weitergearbeitet werden kann.

Das Kinder- und Jugendtheaterzentrum wird diesen Prozess weiter aufmerksam beobachten und steht für weitere Unterstützung bereit.